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Abstrakter Kopf
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Höhe
30.8
Breite
24.0
Material
Öl
Malgrund
Karton
Entstanden
1928-29
Inv.Nr
G 0153

Der Ausdruck des menschlichen Gesichts faszinierte Jawlensky von Beginn an. Anfangs waren es meist Gesichter von Frauen, wie beispielsweise dem Mädchen mit dem Blumenhut. Während des Ersten Weltkrieges fand er in Zürich jedoch zu seinem Thema, welches ihn nach der Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1921 nicht mehr in Ruhe ließ: Es war das leidende Antlitz Christi. Dies ergab sich auch aus seiner russischen Herkunft. In der Ikonenmalerei wurde häufig das Gesicht des Heilands dargestellt. Jawlensky begann gegen Ende des Krieges 'mystische Köpfe' oder 'Heiligengesichte' zu malen. Er gab diesen Köpfen poetische Titel wie Mondlicht, Inneres Schauen oder Rotes Licht. Ähnlich wie es Claude Monet mit seinen Seerosen vorgeführt hatte, konzentrierte sich Jawlensky zunehmend auf ein einziges Motiv. Dessen Aussehen blieb in etwa immer gleich, wurde aber in der Pinselführung, Farbgebung und vor allem in der Mimik beständig variiert, um immer wieder einen anderen und bisher unbekannten Aspekt einer transzendenten Geistigkeit hervorzubringen.

Diese motivliche Einschränkung hing auch mit Lähmungserscheinungen zusammen, von denen Jawlensky seit 1929 befallen war. In diesem Jahr entstand vermutlich der Abstrakte Kopf. Wenige Jahre vor seinem Tod, schon bettlägerig und fast arbeitsunfähig, erläuterte Jawlensky dem ehemaligen Beuroner Malermönch Pater Verkade seinen künstlerischen Weg: "[ ... ] und dann war es mir notwendig, eine Form für das Gesicht zu finden, da ich verstanden hatte, dass die große Kunst nur mit religiösem Gefühl gemalt werden soll. Und das konnte ich nur in das menschliche Antlitz bringen. Ich verstand, dass der Künstler mit seiner Kunst durch Formen und Farben sagen muss, was in ihm Göttliches ist. Darum ist das Kunstwerk ein sichtbarer Gott, und die Kunst ist "Sehnsucht zu Gott". Ich habe viele Jahre "Gesichter" gemalt. Ich saß in meinem Atelier und malte, und mir war die Natur als Souffleur nicht notwendig. Mir war genug, wenn ich mich in mich selbst vertiefte, betete und meine Seele vorbereitete in einen religiösen Zustand." In den 'Gesichtern' Jawlenskys kommen religiöse Ekstase und künstlerischer Akt zur Identität. Selber leidend konnte er das Leiden Christi verstehen und darstellen.