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Ansicht von Vernet-les-Bains
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Höhe
82.0
Breite
116.0
Material
Öl
Malgrund
Leinwand
Entstanden
1925
Inv.Nr
G 0348

Oskar Kokoschka © Fondation Oskar Kokoschka/VBK, Wien 2010

Das Jahr 1925 war für Oskar Kokoschka ein Jahr der Reisen durch Europa, ein für einen österreichischen Künstler nach dem verlorenen 1. Weltkrieg nicht selbstverständliches Ereignis. Kokoschka war seit 1919 Professor an der Dresdener Akademie, wo er im Garten der Residenz in einem der Kavaliershäuschen wohnt. Das geregelte Leben eines Beamten entsprach aber nicht seinem unsteten Naturell. Bereits 1920 ließ er sich für sieben Monate beurlauben. 1923 folgt dann der Ausbruch: Gemeinsam mit seiner damaligen Lebensgefährtin Anna Kallin, einer russischen Gesangsstudentin, macht er Pläne, nach Paris zu ziehen oder durch Afrika zu reisen. Im September nimmt er Urlaub auf zwei Jahre. Mit Paul Cassirer schloss er 1924 einen Vertrag, der dem Berliner Kunsthändler die Gesamtvertretung zusichert. Es wird zudem eine interessante und lukrative Mal-Kampagne geplant, die Kokoschkas Reiselust befriedigt. Im Winter 1925/26 werden die Ergebnisse auf Verkaufsausstellungen in Berlin, Frankfurt a. M. und Wien unter dem Titel "Reise nach Südfrankreich und Spanien" präsentiert.

Diese Reise begann Mitte Februar 1925 in Begleitung des Frankfurter Bankiers und Kunsthändlers Alfred Goldschmidt. Kokoschka erinnert sich: "Mein mir von Cassirer großzügig zugeteilter Reisebegleiter kümmerte sich um die Fahrkarten, das Hotel, die Leinwand, Verpackung, Expedition der fertigen Bilder etc., sonst wäre ich nie vom Fleck gekommen." Die Fahrt ging von Genf nach Monte Carlo, über Nizza, Marseille, Avignon, Montpellier, Aigues-Mortes bis zum Kurort Vernet-les-Bains in den Pyrenäen als Zwischenstation. Hier entstand gleichnamiges Bild. Vermutlich zeigt es den Blick aus dem Hotel du Portugal, wo sich Kokoschka vom 19. bis 23. März aufhielt und malte. Die Geschäftsidee war ebenso einfach wie genial: Wie sieht einer der führenden expressionistischen deutschen Maler die romanische Landschaft, wie spiegelt sich in ihm die südliche Natur? Die Reise ging dann weiter bis nach Biarritz und von dort nach Lissabon, Madrid und Sevilla. Es entstanden insgesamt 35 Bilder mit klangvollen Städtenamen, die auch Reiseziele der Haute waren. In den folgenden Jahren setzte Kokoschka diese Erfolgsserie mit Ansichten von London oder Prag fort.