© VBK, Wien 2011
Yves Klein erregte Mitte der fünfziger Jahre als Maler und auch als Plastiker Aufsehen mit ganzflächig monochromen Bildern. Die Auswahl dieser Farben für diese in allen Größen und Formaten genutzten Leinwände oder Objekte war keineswegs beliebig, sondern von großer Bedeutung, wie beispielsweise aus dem Bildtitel Expression de l'univers de la couleur mine orange von 1955 zu entnehmen ist. Neben Orange und Gelb bevorzugte Klein vor allem die Farbe Blau in einer Spielart des intensiv leuchtenden Ultramarin, welche er sich als 'IKB' (= International Klein Blue) sogar patentieren ließ. Wie schon bei den amerikanischen Malern wie Newman oder Rothko spielte auch bei Klein eine ins Religiöse gehende Motivation eine wichtige Rolle. Die Aufforderung zu Meditation und Transzendenz mittels reiner Farbe gilt auch bei seinen Werken. Um 1960 wandte sich Klein allerdings von der ungegenständlichen Malerei ab und kehrte zur Figuration besonderer Art zurück. Es entstanden in kurzer Folge die Anthropometrien (= ANT) und Cosmogonien (= COS). Klein verstand seine Kunst sogar als "Nouveau Réalisme".
Diese Anthropemetrien, die Klein der Reihe nach nummerierte, entstanden in enger Zusammenarbeit mit einem weiblichen Modell oder Modellen, die er genau anwies, wie der Farbabklatsch auf der Unterlage vorgenommen werden sollte. Gelegentlich gab er davon auch skandalträchtige Demonstrationen auf Vernissagen. ANT 88 zeichnet sich dadurch aus, dass zwei gleiche Abdrücke in Blau und Gold übereinander gemacht wurden. Rotraut Klein-Moquay, die Witwe des Künstlers, versuchte die Attraktion dieser Anthropometrien in Worte zu fassen: "Das gemalte Abbild ist ja im Vergleich zu den 'Anthropometrien' wie eine Kopie von einem Körper, während hier eine direkte Energieübertragung stattfindet. Man kann das auch spüren. Jedesmal, wenn ich ein Bild wiedersehe, bei dem ich Modell war, dann spüre ich, dass ich das bin. Man empfindet eine perfekte Identität, man fühlt sie auch nach vielen Jahren noch. Es ist viel direkter und wahrer, wesentlich anderes als bei einem Foto. Das ist etwas sehr Faszinierendes mit den 'Körperabdrücken', es gibt nicht diesen Abstand, wie bei einem gemalten Bild, wo Du den Pinsel hältst und das, was Du siehst, mit dem Pinsel auf das Papier überträgst, wider hinschaust und malst...".



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