Als Spanier wurde Juan Gris im August 1914 nicht zum Kriegsdienst eingezogen, wie viele seiner französischen Freunde. Seine finanzielle Situation in Paris, wohin er sich im Jahr 1906 aufgemacht und anfänglich sein Leben als Zeitungsillustrator gefristet hatte, stellte sich prekär dar. Die amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein, die sich sehr um Gris bemühte, schrieb in ihrer Autobiographie über jene Zeit: "Juan war damals ein geplagter Mensch. Er war sehr melancholisch und unausgeglichen und wie immer sehr intellektuell und klarblickend. Er malte in jenen Tagen fast ausschließlich schwarzweiß, und seine Bilder waren sehr düster. Kahnweiler, der ihm so freundschaftlich beigestanden hatte, lebte in der Schweiz im Exil, und Juans Schwester in Spanien konnte ihm nicht sehr helfen. Seine Lage war wirklich sehr verzweifelt". Pierre Reverdy, ein aus Narbonne stammender Dichter und Theoretiker des literarischen Surrealismus, griff dem Maler etwas unter die Arme, indem er ihm einen besonderen Auftrag verschaffte. Reverdy veröffentlichte 1915 seinen ersten Gedichtband Poèmes en prose, von dem einige Vorzugsausgaben mit Originalen auf dem Cover versehen werden sollten. Dieses Mal sollte Gris nicht nur beiläufig illustrieren, sondern das dichterische Wort durch seine Kunst erhöhen.
Juan Gris gestaltete die ersten drei, sein Freund, der Maler und Bildhauer Henri Laurens die Exemplare vier bis sechs, wie dieser auch später Illustrationen zu Gedichten Reverdys anfertigte. Der künstlerisch gestaltete Buchdeckel aus der Privatsammlung ist der zweite von den dreien und vermutlich insgesamt der einzige, der noch nicht vom Buch getrennt worden ist. Das von Gris entworfene Cover unterscheidet sich in nichts von den Gemälden, die er zu gleicher Zeit gemalt hatte. Zu nennen wäre etwa die bekannte Violine von 1916 (Basel, Kunstmuseum). Sie stimmen auch darin überein, dass es sich um sehr genau gefertigte Collagen handelt. "Papiers collés" zu erstellen, hatten Braque und Picasso um 1912 unternommen. Mit Blick auf die "unbedingte Genauigkeit", mit der die Komposition ausgeführt wurde, und die schon Gertrude Stein an der Person und den Werken Juan Gris' gelobt hatte, kann man mit Kahnweiler zurecht Gris' Kunst als "die klassische Vollendung des Kubismus" bezeichnen.



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