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Fontana erläuterte 1951 in seinem "Technischen Manifest des Spazialismo" den neuen künstlerischen Weg, den er — 1946 noch im argentinischen Exil — mit dem "Manifiesto Blanco" als eine dem technischen Raumzeitalter adäquaten Stilrichtung, den "Spazialismo" (Raum-Kunst), verkündet hatte, wie folgt: "Der Materialismus, der in jedem Bewusstsein Fuß gefasst hat, bedarf einer Kunst, die allen — heute wie eine Farce wirkenden — darstellerischen Absichten fern steht. Den Menschen dieses Jahrhunderts, die von diesem Materialismus geprägt sind, bedeutet die Abbildung bekannter Formen und die Darstellung dauernd wiederholter Erfahrungen nichts mehr. So kam es auf dem Weg über die Deformation bekannter Formen zur abstrakten Kunst. Aber auch diese Phase entspricht nicht den Bedürfnissen des modernen Menschen. Notwendig ist deshalb ein Wandel von Inhalt und Form. Notwendig ist die Überwindung von Malerei, Bildhauerei und Dichtung...". Fontana hatte 1934 die Mailändische Sektion der internationalen Künstlergruppe "Abstraction — Creation" gegründet, die als Sammelbecken aller Spielarten abstrakter Kunst diente. Nach dem Krieg wollte er selbst deren Bildbegriff revolutionieren und die traditionellen Bildgattungen aufheben.
Die internationale Bewegung, die sowohl in Paris mit Wols als auch in New York mit Pollock anhob und sich gegen jede Art von Darstellung wandte, wurde später Art informel genannt. Zu dieser informellen Kunst zählt auch Fontanas Oeuvre, das sich in den 50er Jahren sehr systematisch entwickelte. Sein Schaffen lässt sich übersichtlich nach Werkgruppen ordnen: 1952 begann er die Serie der pietri (mit Steinen bestückte Leinwände), der bucchi (Lochbilder), inchiostri (Tinten) und schließ1ich ab 1958 die bekannteste, die tagli (Schnittbilder). Diese tagli bestehen aus monochrom bemalten Leinwänden, in die Fontana seine gezielten meist vertikalen Messerschnitte machte, die Schnitte sind mit schwarzer Gaze hinterlegt. Alle tragen sie den Titel Concetto spaziale (Raum-Konzept) mit dem Zusatz "Attese" (Erwartungen). Nicht selten gab ihnen der Künstler auf der Rückseite stimmungshafte Beischriften, hier "é bellissima la giornata di Maggio". Die tagli lassen Fontanas "Raum-Konzept" am deutlichsten werden. Durch wohlüberlegte, blitzschnell ausgeführte Schnitte entsteht aus einer monochromen Bildfläche ein plastisch gestaltetes Gebilde, dessen farbige Oberfläche durch Anzahl und Dichte der Schnitte rhythmisiert wird.



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