© VBK, Wien 2011
Aussehen und Pracht der Damen- und Herrenmode, Kleider, Hüte und selbstverständlich auch die Frisuren hatte von jeher die Maler beschäftigt. Mode war schon immer Ausdruck von Zeit und Person sowie gesellschaftlicher Stellung. Man denke nur an Bildnisse, die Tizian, Rubens, van Dyck, Rigaud oder Goya von Majestäten oder Degas und Renoir von Bürgerlichen anfertigten, deren Besonderheit nicht selten im Glanz ihrer Kostüme steckte. Nachdem im Ersten Weltkrieg van Dongens expressiver Elan verpufft war, kehrte er zu einer realistischen Malweise zurück und wurde sehr bald wegen seiner Brillanz zu einem sehr gesuchten Porträtmaler. Eines der eindrucksvollsten Bildnisse dieser Zeit, verrucht, mondän, sphingenartig, stellt seine Geliebte Jasmy Jakob im Jahr 1919 vor (Paris, Centre Georges Pompidou). Aber auch außerhalb der Porträts tritt bei van Dongen die Mode zunehmend in Erscheinung. Anfang der zwanziger Jahre malte er eine Reihe von Bildern in der Manier stilisierter Modezeichnungen.
Der Bildtitel Deauville weist nicht nur auf den mondänen Badeort, an der Mündung der Seine gelegen, sondern bezeichnet auch eine Erscheinung der damaligen Haute Couture, die in den gebauschten Ballröcken zu sehen ist. Wie in anderen um 1920 gemalten Bildern geht es van Dongen vornehmlich um die farbige Erscheinung, nicht so sehr um die Materialien oder deren Verarbeitung. In Deauville verzichtet Van Dongen auf eine genaue Erklärung der Räumlichkeit, in der sich die sechs Modelle befinden. Es könnte sich um eine Garderobe bei einer Modenschau handeln. Angedeutet sind ein Toilettentisch rechts und im Hintergrund ein großer Spiegel, an dem sich vorne ein Frau die Wangen einpudert bzw. zwei Modelle sich die Haare richten oder Posen ausprobieren. Links, in Kostüm und in der Farbigkeit von Blau und Grün deutlich von den anderen unterschieden, scheint eine Gruppe bereits auf ihren Aufritt auf dem Laufsteg zu warten.



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