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Femme aux yeux bleus
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Höhe
27.0
Breite
22.0
Material
Öl
Malgrund
Leinwand
Entstanden
1908
Inv.Nr
G 0089

© VBK, Wien 2011

Der aus Holland stammende Kees van Dongen war einer von den Malern, die sich um Matisse und Derain geschart und im Pariser Herbstsalon 1905 als "fauves" Furore gemacht hatten. War sein Kollege De Vlaminck einer der wildesten, was die Malweise betraf, so überschritt van Dongen auch in der Wahl seiner Bildgegenstände die Grenzen des damals guten Geschmacks. Vor dem Ersten Weltkrieg galt seine Obsession den Frauen der Halbwelt. Berühmt geworden sind seine Frauenbilder, insbesondere die nicht selten zum Obszönen neigenden, lasziv wirkenden ganzfigurigen Akte oder auch nur Gesichter. Anschauung dafür fand er auf dem Montmartre reichlich, wo sich damals sein Atelier befand. Dem fauvistischen Stil blieb van Dongen bis etwa 1913, länger als viele andere, treu. Im Jahr 1908 wurde er sogar für kurze Zeit Mitglied der deutschen Expressionistengruppe "Brücke" in Dresden. Später kehrte er zu einer realistischen, wenn auch sehr farbenfrohen Malerei zurück, war in den gehobenen Kreisen als modischer Porträtist sehr gefragt und lebte in Monte Carlo.

Eine provozierend grelle "femme fatale" malte van Dongen in der Femme aux yeux bleus in einem ausgesprochen kleinen Format und engem Bildausschnitt. Fast wie eine Karikatur überzeichnet, blickt die junge blonde Frau auf dünnem Hals dem Betrachter direkt und ohne Scheu in die Augen. Übergroß sind ihre schönen blauen Mandelaugen. Ihre Lippen, leicht geöffnet, Zähne zeigend, sind blutrot. An dem Frauengesicht sind ausschießlich die erotischen Signale wichtig genommen, Augen und Mund. Hier wird die intensiv-kräftige, fast schon abstoßende Farbigkeit durch die Darstellung einer sich dem Mann anbietenden Frau motiviert. Vielleicht meinte van Dongen Wesen und Möglichkeiten der Frau überhaupt zu treffen, indem er immer wieder ihre verführerische erotische Anziehungskraft in seinen Bildern bannte, der er sich selbst gewiss oft ausgesetzt sah. Diese einseitige Darstellung der Frau 'Vamp' findet durchaus Parallelen in Dichtung und Musik der Jahrhundertwende, etwa in Richard Strauß' Oper "Salomé" nach der dramatischen Vorlage von Oscar Wilde.