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Femme nue à l'oiseau et joueur de flûte
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Höhe
130.0
Breite
162.0
Material
Öl
Malgrund
Leinwand
Entstanden
1967
Inv.Nr
G 0214

Pablo Picasso ©  Succession Picasso/VBK, Wien 2011

Eigentlich schon seit dem Kriegsende 1945 und ganz besonders in den sechziger Jahren gehörte Picasso — erstaunlich genug — nicht mehr zur künstlerischen Avantgarde. Als Femme nue à l'oiseau et joueur de flûte 1967 entstand, bearbeitete der nunmehr 86-jährige Maler in der Abgeschiedenheit Südfrankreichs mit mediterraner Gelassenheit immer wieder auch bukolische Themen. In den neuen Kunstmetropolen London und besonders New York hatte sich — konträr zum alten Malereihandwerk — eine Kunstrichtung Bahn gebrochen, die der Konsum- und Warenwelt huldigte — Pop Art. Die ersten seriell produzierten Siebdrucke aus der "factory" Andy Warhols kamen auf den Kunstmarkt. Arbeiteten die Pop Artisten mit den Methoden und Motiven der Warenästhetik, so wandte sich Picasso der antiken Tradition zu: mit Darstellungen des idyllischen, einfachen wie friedlichen Landlebens, dem auf seiner Syrinx musizierenden Pan, dessen Spiel die Tiere des Feldes, Ziege oder Stier, lauschen. Wer erinnerte sich nicht an Theokrits oder Vergils Hirtengedichte?

Ein der Femme nue à l’oiseau et joueur de flûte ähnliches Bild zeigte sich im L'Aubade von 1965 (Genf, Petit Palais). Hier wie dort liegen Mann und Frau nackt in der Natur beieinander. Der Mann spielt auf der Flöte, die Frau hört ihm zu. Picasso variiert hier in der Darstellung des Zueinanders von Mann und Frau, sein Lebensthema: Eros und Künstlerschaft. Vielleicht könnte man den Stil des greisen Künstlers nicht mehr für zeitgemäß halten. Indem er aber Archetypisches behandelt, werden seine Figuren — wie Homers irrender Odysseus — zeitlos und immer von allgemein menschlichem Interesse bleiben. Die nackte Frau, die den Flötenspieler ansieht und zu berühren scheint, bewegt ihn und veranlasst ihn zum Spiel. Dessen Füße schlagen den Takt, Taktschwüngen ähnlich bewegt sich der Pinsel, der Arme und Beine darstellen will. Wie ein Fontäne quellen die Finger empor! Ausgeglichen und symmetrisch geordnet erblüht die Frau daneben, die zugleich der von der Musik angelockte Taube ihre Hand reicht. In diesem Verhältnis findet die Natur ihren Frieden.