© VBK, Wien 2011
Max Ernst gilt als einer der wichtigsten Maler des Surrealismus. Diese Stilrichtung war aus der anarchischen Dada-Bewegung hervorgegangen, die 1916 in Zürich ihren ersten spektakulären Auftritt erlebt und deren Provokationen Ernst und Hans Arp auch in Köln weitergeführt hatten. Der Surrealismus basierte auf den Einsichten der nicht lange zuvor begründeten Psychoanalyse, beeinflusste erst die Literaten, dann die Maler und Bildhauer. André Breton, der während seines Medizinstudiums mit Sigmund Freuds Abhandlung über die Traumdeutung von 1900 in Berührung gekommen war, entwickelte als Grundlage seines literarischen Schaffens die "Écriture automatique". Zusammen mit Philippe Soupault legte er 1920 Les champs magnétiques vor, den ersten 'automatisch' entstandenen Text. 1924 veröffentlichte Breton das erste Manifeste du surréalisme und erläuterte darin den psychischen Automatismus. Das Unterbewu8tsein sollte sich — nicht vom Verstand gesteuert — in Assoziationsketten enthüllen.
In der Malerei wurden daher Traumbilder realistisch dargestellt, so etwa bei Dali oder Tanguy. Den Automatismus durch spontane Assoziation nutzte aber Max Ernst auf andere Weise: Um 1925 entwickelte er die Maltechniken der sogenannte "Frottagen" (Abreibungen) und "Grattagen" (Kratzungen). Er legte zum Beispiel eine Leinwand auf einen Holzfußboden und rieb darauf mit Farbe die Holzmaserung ab (frottieren). Aus deren Strukturen gestaltete er dann das Bild. Ernst fertigte auf diese Weise den Zyklus Histoire Naturelle, es folgten die Themen Wald 1927 und Blumen 1928/29. Fleurs sur fond jaune von 1929 stammt aus dieser Periode. Weiße Farbe wird mit einem breiten Spachtel von einem blau-schwarzen und zum Teil mit roten Flecken versehenen Grund in S-förmigen Schwüngen gekratzt, so dass blumenähnliche Formen entstehen. Um die Blumenphantasie zur Geltung zu bringen, übermalt Ernst die übrige dunkle Fläche deckend mit Gelb. Am oberen Bildrand setzt er einen schmalen Streifen aus helleren Gelb ab und zeichnet in dessen Mitte einen Kreis. Den Blumengebilden fügt er eckige Stiele an. Hierdurch entsteht mit einem Mal eine Gruppe von Wüstenblumen in einer sattgelben Landschaft, über deren Horizont die Sonne brennt.



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