© VBK, Wien 2011
Gabriele Münter lernte Kandinsky im Jahr 1902 in München kennen, als sie dessen private Malschule besuchte. Es entwickelte sich eine tiefe und aber schwierige Verbindung zweier Künstler, wie sich auch in dem liebevollen Bildnis von Kandinskys Hand zeigt (München, Lenbachhaus). Während des Ersten Weltkrieges brach dann das Verhältnis tragischerweise auseinander und hätte beinahe Münters Lebens- und Schaffenskraft gebrochen. Wenige Jahre vor ihrem Tod gab sie dem Kunstkritiker Edouard Roditi in Murnau ein Interview. Darüber befragt, was sie Kandinsky künstlerisch zu verdanken habe, antwortete sie bar aller Bitterkeit: "Alle meine Bilder stellen Momente meines Lebens dar, flüchtige, visuelle Augenblicke, meist rasch und spontan hingeworfen. Aber malen ist wie plötzlich in tiefes Wasser springen, und ich weiß vorher nie, ob ich werde schwimmen können. Was Kandinsky mich lehrte, war eben die Technik des Schwimmens, das heißt, er lehrte mich schnell genug und mit genügend Selbstvertrauen zu malen, um solche Augenblicke des Lebens rasch und ungezwungen festzuhalten."
Der Winter 1908/9 zählte zu den produktivsten Schaffensphasen Münters. Nach eigener Aussage malte sie damals viele Studien, manchmal mehrere an einem Tag. Viele Landschaftsbilder entstanden, aber auch Interieurs und vor allem Stillleben. Das kleinformatige Bild Äpfel und Veilchen gehört zu diesen virtuosen Etüden, die "Technik des Schwimmens" zu vertiefen. Wohl zur Zeit der Apfelernte gemalt, an einem warmen Spätsommertag, gibt Münter einen Moment ihres Lebens wieder, einen der Reife und Fülle. Erfüllt von ihrer Kunst und auch der Beziehung zu Kandinsky. Ein Stillleben im Grünen: auf einem runden Tischchen, mit einem dunkelgrünen Stoff bedeckt, werden in einer Tonvase Veilchen und daneben fünf verschiedenfarbige Äpfel präsentiert. Deren warme Palette harmoniert mit den kälteren Farben und ergibt koloristisch ein Ganzes.



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