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Gebannter Blitz
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Höhe
44.3
Breite
29.8
Material
Aquarell, Tusche
Malgrund
Karton, Papier
Entstanden
1927
Inv.Nr
G 0140

Paul Klee muss in höchstem Maß ein sehr nachdenklicher Mensch gewesen sein. Dies lässt sich aus seiner umfangreichen Korrespondenz und auch seinem Tagebuch ersehen, das er regelmäßig führte, und worin er vieles reflektierte, Begebenheiten, sein Werk, sich selbst. In den ersten Jahren, in denen er als Formmeister am Bauhaus lehrte, gab er in seinen Vorlesungen Rechenschaft über seine künstlerischen Gestaltungsgesetze. In einem Aufsatz von 1920, Schöpferische Konfession betitelt, äußerte sich Klee gegen Ende dieses Credos auch über die Bestimmung von Kunst überhaupt: "Die Kunst spielt mit den letzten Dingen ein unwissend Spiel und erreicht sie doch! Auf Mensch! Schätze diese Villeggiatur, einmal den Gesichtspunkt wie die Luft zu wechseln und dich in eine Welt versetzt zu sehen, die ablenkend Stärkung bietet für die unvermeidliche Rückkehr zum Grau des Werktags. Noch mehr, sie verhelfe dir, die Hülle abzulegen, dich auf Momente Gott zu wähnen [...]."

Diese Sätze erhellen auch das Bild Gebannter Blitz. In der unteren helleren Bildhälfte gewahrt man ein höchst kompliziertes technisches Gebilde. Gleich dünnen Drähten sind die Linien waagerecht gespannt. Dazwischen finden sich allerlei Gerätschaften, die ohne weiteres Assoziationen an Masten von Hochspannungsleitungen, Eisenbahnsignale, Armaturen oder Verkehrszeichen zulassen. In dieses engmaschig miteinander verknüpfte Netzwerk zeigt ein pfeilartiger, schwarzer Blitz hinein, der aus einer in Spritztechnik gemachten dunklen Wolke herausschießt. Da er gebannt ist, ist es einem kleinen Männlein, welches an einen Hampelmann erinnert, gelungen, mittels einer roten Leiter aus dem komplexen technischen Gewirr auf ihm wie auf einer asphaltierten Straße emporzusteigen. Bis zur weißen Fahne, die den Endpunkt des Blitzes markiert, ist das Männchen gelangt, ja mit Hilfe einer weiteren roten Leiter noch darüber hinaus. Auf der obersten Sprosse dieser Leiter vollführt der Mensch noch ein artistisches Kunststück besonderer Art: Er balanciert auf einem Bein, frei schwebend und die Arme dabei wie in einer Siegerpose auseinandergebreitet. Dies ermöglicht die Kunst, für Momente bis an den Ursprung der Dinge zu reichen, sich "auf Momente Gott zu wähnen".