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Glass and Lemon before a Mirror
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Höhe
132.0
Breite
106.5
Material
Öl
Malgrund
Leinwand
Entstanden
1974
Inv.Nr
G 0227

Roy Lichtenstein © The Estate of Roy Lichtenstein/VBK, Wien 2011

Im Februar 1962 zeigte Roy Lichtenstein seine 'Comic'-Bilder erstmals in einer Einzelausstellung bei Leo Castelli in New York. Dies bedeutete seinen künstlerischen Durchbruch, denn bereits vor der Eröffnung waren sämtliche Bilder verkauft. Zu Anfang malte Lichtenstein solche Bilder zum Spaß für seine beiden Söhne nach Walt Disney Figuren (Mickey Mouse), die sich auf Kaugummiverpackungen befanden: "Dann kam ich auf die Idee, eins dieser Kaugummipapiere zu malen, und zwar großformatig, einfach um zu sehen, wie das ausschauen würde. Ich glaube, zuerst war ich dabei Beobachter und gar nicht so sehr Maler, aber als das Bild dann halb fertig war, begann es mich als Bild zu interessieren...". 1961 entstanden dann die ersten Werke, deren Gegenstand Lichtenstein aus Cartoon-Serien entnommen hatte, z. B. Look Mickey (Privatbesitz). Das Besondere und Provozierende an den Bildern war, von Castelli sofort hellsichtig erkannt, dass er die Drucktechnik seiner Vorlagen in seine Malerei übernahm: der schwarze Kontur, Schraffuren und vor allem die Rasterpunkte. Das Unerhörte daran war zum einen der Rückgriff auf ein Sujet, das aus Comic-Strips oder der Werbung stammte, zum anderen das betont maschinell gefertigte Aussehen.

Als Amerikaner, der weit weniger in europäischen Traditionen gefangen war, hatte es Lichtenstein leichter, sich von der 'ernsten' Kunst, wie sie in den 50er Jahren im abstrakten Expressionismus Triumphe feierte, einer ironisch gefärbten, 'Unterhaltungskunst', der Pop Art, zuzuwenden. "Ich finde, seit Cézanne ist die Kunst außerordentlich romantisch und unrealistisch geworden, sie nährt sich nur von sich selbst, ist utopisch. Sie hat immer weniger mit der Welt zu tun, betreibt Nabelschau, Neo-Zen und so (...). Draußen ist die Welt, sie existiert. Die Pop Art blickt in die Welt hinaus, irgendwie akzeptiert sie ihre Umgebung, die weder gut ist noch schlecht, nur anders...". Dass aber Lichtenstein nicht nur als ein humorvoller, ironischer Saboteur aller 'ernsten' Kunst zu verstehen ist, zeigen Werke wie Glass and Lemon before a Mirror von 1974. Neben den Cartoon-Bildern, Landschaften oder Kopien nach kunsthistorischen Vorbildern (etwa Carràs "Rotem Reiter" von 1911), die sämtlich in der für Lichtenstein typischen Comic-Manier gemalt sind, gibt es auch ernstere Versuche, namentlich die Mirror-Serien und die Architekturfriese, mit denen Lichtenstein die Sphäre der Abstraktion streift.