© VBK, Wien 2011
Entscheidende Impulse für sein künstlerisches Schaffen erhielt der in der Nähe von Kiel geborene Spätexpressionist Friedrich Karl Gotsch von Oskar Kokoschka, bei dem er von 1920 bis 1923 in Dresden Meisterschüler war. Kokoschka hat ihn offensichtlich auch davon überzeugt, dass ein Künstler viel in der Welt herumkommen müsse. Nachdem er sein Studium beendet hatte, bereiste Gotsch die Vereinigten Staaten und hielt sich darauf in Paris, Italien und Südfrankreich auf, bis er sich schliesslich 1932 in München, 1933 in Berlin niederliess. Trotz der vielen Ortswechsel blieb für den Künstler die nordische Heimat aber ein wichtiger Orientierungspunkt: Seit 1921 verbrachte er den Sommer regelmässig in St. Peter-Ording an der Nordsee. Wie direkt Gotsch an die Pionierleistungen des deutschen Expressionismus anschloss, zeigt das vorliegende Bild "Heuhaufen", das an die stark vereinfachten und kontrastreichen Landschaften von Karl Schmidt-Rottluff oder Erich Heckel erinnert. Dicht neben die rote Bedachung des Bauernhauses im Hintergrund ist dominant ein gelber Heuhafen gesetzt, der mit seiner glatten, kantigen Oberfläche an einen Helm denken lässt, und die linearen Richtungszüge an Boden und Himmel muten ebenso schroff an wie die Konturen der grünen Schattenpartien. Die rückseitige Beschriftung «Westmarken» bezeichnet noch heute einen Ortsteil von Gotschs Sommersitz St. Peter-Ording. Vermutlich im Hinblick auf die grosse Wanderausstellung 1959–1960 in Deutschland muss der Künstler das 1930 gemalte Bild nochmals überarbeitet haben. 1964 gelangte es dann mit einem Grossteil seines umfangreichen Lebenswerks in das von Oscar Ghez gegründete Museum Petit Palais in Genf. Zusammen mit einem anderen, 1951 entstandenen Bild, das in stark abstrahierender Art eine in einem Fenster sitzende Frau wiedergibt, wurde es schliesslich an den jetzigen Besitzer weiterverkauft.



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