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Höhe
70.0
Breite
80.5
Material
Öl
Malgrund
Leinwand
Entstanden
1919
Inv.Nr
G 0052

Als im Jahr 1919 die Kühe bei Sonnenuntergang entstanden, fühlte sich Kirchner als Rekonvaleszent. Als Artillerist war er 1914/15 durch die Hölle eines zerstörerischen Weltkrieges gegangen, wovon heute sein berühmtes Selbstbildnis als Soldat (Oberlin) mit der erhobenen, abgehackten rechten Hand zeugt. Wegen angeblicher Lungenaffektion und Schwäche aus dem Kriegsdienst entlassen, verbrachte Kirchner einige Zeit in Sanatorien und wurde dann nach 1918 im Luftkurort Davos sesshaft, wo er sich, zusammen mit seiner Lebensgefährtin Erna Schilling, in einem Chalet auf der Stafelalp bei Frauenkirch als Maler einrichtete. Nachdem die "Brücke" 1913 in Berlin nicht zuletzt an seinem Eigensinn zerbrochen war, Kirchner nun in den Bergen abseits der Kunstmetropolen lebte, war er zunehmend darauf bedacht, sein künstlerisches Werk richtig bewertet zu wissen. So kam es, dass er manche seiner Bilder absichtlich vordatierte, wie auch in Kühe bei Sonnenuntergang geschehen, die Kirchner ins Jahr 1918 setzt. Auch verfasste er unter dem Pseudonym "Louis de Marsalle" Besprechungen seiner eigenen Werke, die er in Zeitungen, bekannten Kunstzeitschriften oder auch Katalogen publizierte.

Ganz im Unterschied zu diesen Exaltationen stellte Kirchner vielfach die einfache Natur der Bergwelt dar. Nach der Hektik und dem sich selbst entfremdeten Leben in Berlin genoss er die Ruhe und Einfachheit in den Bergen, bewunderte die Regelmäßigkeit und die Harmonie der natürlichen Abläufe, wie er sie auch in den Kühen bei Sonnenuntergang malerisch verarbeitet hatte. Die Sonne strahlt noch über die Silhouette der Berge. Mit der Dämmerung beginnen die teils blaufarbigen Kühe zu äsen oder sich am Wasser zu laben. Der Anblick der Bergwelt sollte seiner inneren Anspannung Linderung verschaffen. Am 14. Juli 1919 schrieb er in der ihm eigenen expressiven Diktion: " [...] Zeichnungen und Zeichnungen von herrlichen Landschaften, die Bilder übersteigen mich, ich muss wieder innen anfangen, nicht vollenden in der Nervosität des Tages. Ich muss den Farbholzschnitt des Wasserfalls schneiden, morgen, wenn es irgend geht, ich muss, muss absolut. ich brauche Vollendung. Stirb zur Vollendung. Ich bin so nervös und schwach. [...] Diese feine stille Melancholie des Abends. Die einmal stark fassen. Stark [...]".