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Höhe
50.0
Breite
61.0
Material
Öl
Malgrund
Papier über Leinwand
Entstanden
1906
Inv.Nr
G 0111

© VBK, Wien 2011

Georges Braque war von den Fauves in der Pariser Herbstausstellung von 1905 derart begeistert, dass er sich dieser Stilrichtung anschloss. Besonders inspirierten ihn die Bilder, welche Matisse und Derain in Collioure am Mittelmeer gemalt hatten. Wie Derain, der den Sommer 1906 in England an der Themse verbrachte, so begaben sich auch Braque und sein Freund Othon Friesz, auch aus Le Havre stammend, ebenfalls unter nördlichen Himmel und Licht — nach Antwerpen, der Hafenstadt an der Schelde. Braque, der Fauvist, sollte nur eine kurze Episode bleiben. 1907 konnte er auf der großen Retrospektive das Lebenswerk Cezannes intensiv studieren. Gleichzeitig lernte er den Spanier Pablo Picasso und sein Epoche machendes Bild Les Desmoiselles d’Avignon kennen. Aus ihrer künstlerischen Freundschaft entwickelte sich der sogenannte Kubismus und ließ Braques expressionistische Anfänge schnell in Vergessenheit geraten.

Von August bis September 1906 arbeiteten Braque und Friesz entweder direkt am Quai des Antwerpener Hafen oder in der unmittelbaren Umgebung. Man blickt in La baie d’Anvers vom 'Linkeroever' auf die Stadtsilhouette Antwerpens, deren Wahrzeichen, die in Grün gemalte Kirchturmspitze von Notre-Dame, rechts am Horizont zu sehen ist. Auf der Schelde, die als gelber Bereich zwischen Himmel und Erde zu sehen ist, schwimmen Segelboote, die an ihren Masten zu erkennen sind. Auf die ungrundierte Leinwand, die an vielen Stellen stehen gelassen wurde, malte Braque fauvistisch mit reinen Farben. Er verwendet hauptsächlich die beiden Farbtriaden Blau-Gelb-Rot und Violett-Grün-Orange sowie reichlich Weiß. Die vorderen Landmassen sind in den komplementären Farben Rot und Grün, der sich im ruhigen Wasser der Bucht spiegelnde Himmel aus Gelb und Violett. Stark in Schwarzblau konturiert ist der Vordergrund mit dem ins Bild führenden Steg, Am Himmel oben erscheint dann das mit Weiß gebrochene Blau. Der Pinselduktus sowie die Farbstriche, die Kommata oder Wellenlinien, besonders aber der Wirbel am Himmel erinnern an Landschaftsbilder von Van Gogh, der Braques anfänglicher Leitstern war.