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La Montée
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Höhe
109.8
Breite
80.0
Material
Öl
Malgrund
Leinwand
Entstanden
1923
Inv.Nr
G 0218

© VBK, Wien 2011

Kupka musste dem Publikum aufgrund seines zurückgezogenen Lebenswandels und seiner hermetischen Kunst als "orphique" erschienen sein. Dieser etwas esoterische Wesenszug bildete sich schon in der Kindheit aus, als er 1879 wie durch ein Wunder eine Pockenerkrankung überlebte und als 13jähriger mit dem Spiritismus in Berührung kam. Vielleicht nicht zuletzt aufgrund dieser prägenden Erlebnisse entwickelte Kupka das Selbstbewusstsein eines außergewöhnlichen Menschen, der 'Medium' sein wollte zwischen sichtbaren und unsichtbaren Welten. Kupka hatte 1905 für kurze Zeit an der Sorbonne Vorlesungen über Physik, Physiologie und Biologie besucht. Auch studierte er anhand stroboskopischer Photographien Bewegungsabläufe und entwickelte ein Interesse für chemische Prozesse. Letztlich strebte er als Künstler danach, die nicht unmittelbar sichtbaren kosmischen Kräfte natürlicher Veränderungen, die Physis oder "natura" allgemein, künstlerisch in Bildern zu begreifen.

So mag es nicht ungewöhnlich klingen, wenn für das zweite Bild Kupkas aus der Privatsammlung, wie die Frau des Künstlers überlieferte, Gläser mit Marmelade, die der Sonne ausgesetzt waren, zur Inspiration dienten. In der Prager Ausstellung von 1946 hieß das Bild noch La Fermentation... . Das Gemälde, das heute wegen der Betitelung auf der Rückseite zurecht La montée genannt wird, entstand 1922/23 und gehört zu einer Serie, die Kupka aus Hindu-Motiven entwickelt hatte. Im Unterschied zu Vert et Bleu läßt La montée in seiner Gestaltung keinen Anfang und kein Ende erkennen. In einem Bildausschnitt von unendlicher räumlicher Tiefe sind nach Farbe und Form zwei Arten von Gebilden unterschieden, die nach oben und unten scheinbar beliebig fortgesetzt werden könnten. Zum einen sind die im Vordergrund an Pflanzenstengel erinnernden, in verschiedenen Grüntönen gemalten dünnen Stäbe zu nennen, die sich zu häuten scheinen. Hinter diesen Stengeln sieht man zum anderen übereinander getürmte, Eisblöcken ähnliche Zylinder, die sich wie unter dem Druck ihres Gewichts blau und rot zu verfärben scheinen. Gemeinsam ist beiden Gebilden das lotrechte Wachstum. Das eine folgt biologischen Prinzipien und erneuert sich aus sich selbst heraus, das andere wächst nach mineralogischen Gesetzen sedimentär in die Höhe.