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La Seine à Chatou
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Höhe
38.0
Breite
46.0
Material
Öl
Malgrund
Leinwand
Entstanden
1906
Inv.Nr
G 0121

© VBK, Wien 2011

Sieht man auf die etwas früheren Werke Nature morte au compotier und La Périssoire à Chatou zurück und stellt sie neben La Seine à Chatou, so wird man in einem kurzen Zeitraum von zwei Jahren eine erstaunliche Variation in der Malweise De Vlamincks feststellen können: Einerseits ein zeichnerisch skizzenhaftes, von schwarzer Kontur bestimmtes Vorgehen, dessen Komposition instabil wirkt, oder andererseits ein noch neo-impressionistisch anmutender Pinselduktus bei spannungsreicher, fast disharmonisch wirkender Farbgebung. Nachdem De Vlaminck über Kontakte mit Picasso und Braque, welche um 1907 den analytischen Kubismus entwickelten, die Absichten der Malerei Cézannes kennen gelernt hatte, schwenkte er um 1908 in die Malerei des von diesem abgleiteten Kubismus ein. De Vlamincks Bildform begann sich zu verfestigen. Lange sollte er aber dieser intellektuellsten aller modernen Stilrichtungen nicht treu bleiben. Noch vor dem Ersten Weltkrieg und nach Bekanntschaft mit Modigliani im Jahr 1915 kehrte er zu einer expressionistischen Malweise zurück.

Eine Beruhigung der Handschrift und Stabilisierung der Komposition ist schon in den Landschaftsbildern um 1906/7 und somit auch in La Seine à Chatou zu bemerken. Vor allem fällt die vereinfachende, orthogonale Bildstruktur auf, etwa die Betonung der Vertikalität- bzw. Horizontalität des Pinselstrichs: Das Wasser der Seine in der unteren Bildhälfte ist — mit Weiß oder Schwarz gebrochen — aus senkrechten, kleineren und größeren Strichen zusammengesetzt. Dem entgegengesetzt zeigt sich die Struktur eines Hafens mit angelegten Booten, einem Kai und größere Gebäuden mit roten Dächern. Hier sind die weißen und hell ockerfarbigen Striche wie Ziegel waagerecht übereinander geschichtet. Ebenso ist dies bei den trikoloreartigen Farben des Dampfers zu sehen. Sowohl von der Malerei des Wassers als auch der Gebäude unterschieden sind die grünen Striche der Vegetation, die in unterschiedliche Richtung verlaufen. So schafft De Vlaminck durch starken Kontrast von Form und Farbe letztlich ein beruhigtes und gefestigtes Bildganzes.