© VBK, Wien 2011
Braque und Picasso hatten um 1908 den intellektuellen Versuch unternommen, Bilder zu malen, die eine vom subjektiven Erleben des Künstlers unabhängige Gegenständlichkeit anstreben. Weder optischer Eindruck noch seelischer Ausdruck war ihr künstlerisches Ziel, weder Impressionismus noch Expressionismus, sondern die Objektivität der Dinge wiederzugeben. Meist waren es Porträts, Landschaften oder Stillleben, die sie zum Gegenstand ihrer Kunst machten. Einem etwas einseitig gedeuteten Ausspruch Cézannes folgend, den sie beide außerordentlich verehrten, die Natur bestehe aus Zylindern und Kuben, reduzierten sie die Natur auf geo- oder stereometrische Grundformen. Indem sie die perspektivische Räumlichkeit und Ordnung der Dinge im Bild aufhoben, beendeten sie eine Tradition, die mit der Renaissance begonnen hatte. Der synthetische Kubismus wurde um 1912 entwickelt und war, da der Bildgegenstand weniger zersplittert wirkte, leichter erkennbar und wieder buntfarbig. Die Grisaillemalerei des analytischen Kubismus war verdrängt.
Als Braque im Jahr 1917 nach schwerer Kriegsverletzung die Malerei wieder aufnahm, hatten sich einerseits die gemeinsamen künstlerischen Wege mit Picasso getrennt. Andererseits war schon vor dem Krieg zu einer Annäherung an Juan Gris gekommen, der zum Protagonisten des synthetischen Kubismus wurde, Wie dieser blieb auch Braque zeitlebens den Motiven der Stilllebenmalerei treu. Besonders in den zwanziger Jahren malt Braque eine Reihe von ähnlichen Stillleben auf Ziertischen mit Früchten und diversen Musikinstrumenten. Auch in Le buffet sieht man vor schwarzem Grund eine okerfarbige Kommode, auf der sich eine Gitarre und weiße Notenblätter sowie eine mit grünen Weintrauben gefüllte graue Schale befindet. Diese Gegenstände sind als unterscheidbare Pläne von geschmackvoll dekorativer Farbigkeit abstrahiert, die sich zudem einfacher oder komplizierter geschichtet in reizvoller Weise überlagern und durchdringen. Wie Dinge sind diese Schichten schattig von einander abgesetzt und suggerieren eine eigentümliche Bildwirklichkeit .



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