© VBK, Wien 2011
Mit seinem Landsmann Paul Delvaux zählt René Magritte zu den wichtigsten Vertretern des sogenannten veristischen Surrealismus, der überhaupt eine belgische Spezialität war. Seit seinen Anfängen Ende der zwanziger Jahre zeichnet sich sein Schaffen vor allem dadurch aus, dass es Aspekte der realen Welt fast übertrieben exakt wiedergibt, sie aber in einen ihnen völlig fremden Kontext versetzt. Dies erklärt, weshalb von Magrittes Bildern eine so irritierende Wirkung ausgeht.
Das vorliegende grossformatige Gemälde, das der Künstler mit einem kleinen Entwurf in Gouachetechnik vorbereitet hatte, war erstaunlicherweise gar nicht als selbständiges Kunstwerk gedacht, sondern als Modell - oder wie man früher sagte: als Karton für ein Wandbild. Mit Hilfe dieser Vorlage bereitete Magritte 1953 ein riesiges Auftragswerk von 72 Metern Länge vor, das den grossen Spielsaal des Kasinos von Knokke an der belgischen Kanalküste schmücken sollte. Das achtteilige «surrealistische Panorama», dem der Künstler den Übertitel Die verwunschene Gegend gab, zitiert Themen und Motive, die ihn seit Ende des Krieges intensiv beschäftigt hatten. Allein auf dem vorliegenden siebten Teil sind gleich drei solcher früher behandelten Motive zu erkennen: Stammen die maskierten Äpfel aus dem Bild La valse hésitation, so bezieht sich der Baumstrunk mit der Axt auf Les travaux d'Alexandre und der Baum mit den Schubladen auf La voix du sang.
In einer kleinen Publikation, die Magritte mit dem befreundeten Dichter Paul Colinet nach Abschluss der Arbeiten herausgegeben hat, sind diese Themen und Motive poetisch umschrieben. Zum vorliegenden Bild Nr. VII heisst es: «Man entdeckt am Meeresufer zwei sich besuchende Äpfel, die von sehr weit hergekommen sind. Sie lächeln verhalten, von allem befremdet, was sie erblicken. Ein Baumstrunk windet sich in seinem Unheil. Ein stehengebliebener Baum lüftet seine Geheimnisse.»



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