228 / 242  
Verre et cartes à jouer
image zoom Bild Zoom
webclip Webclip
Höhe
33.0
Breite
19.0
Material
Öl
Malgrund
Leinwand
Entstanden
1912
Inv.Nr
G 0021

Pablo Picasso ©  Succession Picasso/VBK, Wien 2011

Nach der Trennung von Fernande Olivier, seiner langjährigen Lebensgefährtin, hielt sich Picasso von Mai bis Juni 1912 in dem Dörfchen Céret auf, das in den östlichen Pyrenäen liegt. Neben der Trennung sowie dem Umzug vom Montmartre zum Montparnasse bedeutete das Jahr 1912 für Picasso auch materielle Unabhängigkeit. Er konnte einen Exklusiv-Vertrag mit dem Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler abschließen. Stand Picasso in Pots et citron noch am Anfang des Weges, der zum Kubismus führen sollte, so kündigte sich in Verre et cartes à jouer eher das Ende seines Interesse an der von ihm und Georges Braque begründeten Stilrichtung an. Picasso hatte sich mit der Entwicklung des Kubismus auch isoliert, was ihn sehr störte. Das öffentliche Urteil war geringschätzig, so verhandelte etwa das französische Parlament im Dezember 1912 die Frage, ob der Kubismus eine "antinationale Kunst" sei. 1914 wird Picasso dann — wie mit den Desmoiselles 1907 — wiederum mit seinem Stil abrupt brechen. Fortan begann er mit verschiedenen Stilen gleichzeitig zu spielen. So finden sich 1930 in Picassos Illustrationen zu Balzacs Erzählung Le Chef-d'oeuvre inconnu neben kubistischen Zeichnungen solche, die an den Klassizismus eines Ingres erinnern.

Künstlerisch gesehen ereignete sich im Jahr 1912 der Übergang vom analytischen zum synthetischen Kubismus, dessen wichtigster Vertreter nicht Picasso, sondern ein anderer Spanier wurde: Juan Gris. Das Bild Verre et cartes à jouer ist einerseits noch klar ein Werk des analytischen Kubismus, dies zu erkennen an der grisailleartigen Facettierung des Bildgrundes. Andererseits gibt es bereits Elemente, die auf ein Neues hinweisen: Anfänge von Buntfarbigkeit, die collagenartige Verwendung der Spielkarten, genauer, ihrer Farben wie: Karo, Kreuz und Herz. Picasso und Braque erfanden im Jahr 1912 die Collage oder, wie sie es nannten, die papiers collés. Es wurden Zeitungen oder Stoffe ausgeschnitten, zu einem Bild arrangiert und schließlich aufgeklebt. Ziel dieser synthetischen Kunst war es, die Malerei wieder dem Handwerk zu nähern, die Kunst zu entpersonalisieren. Wohl aus diesem Grund verzichteten Picasso und Braque auf vorderseitige Signaturen. Auch auf Verre et cartes à jouer steht nur CÉRET zu lesen. Man wollte sich von einem noch romantischen Verständnis von Kunst als dem Werk eines genialen Künstlers verabschieden.