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Les deux profiles
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Höhe
60.0
Breite
93.0
Material
Öl
Malgrund
Leinwand
Entstanden
1928
Inv.Nr
G 0019

© VBK, Wien 2011

1925 schrieb Fernand Léger in einem nur deutsch überlieferten Manifest "Sehr aktuell sein" folgende Feststellungen, die Aufschluss über sein Verständnis von Avantgarde geben: "Der Krieg überstürzt das Entstehen einer neuen Welt — die fest, klar und genau ist. Die Linie, die Ziffer, die Sekunde, der Millimeter, die Präzision: Das sind unsere Forderungen. Es gibt keine Landschaft mehr, kein Stillleben, kein Gesicht. Es gibt das Bild, den Gegenstand, das Gegenstands-Bild, den Bild-Gegenstand, den nützlichen, unnützen, schönen Gegenstand." Für Léger wurde das Erlebnis der Materialschlachten des Weltkrieges, in dem er in einer technischen Pioniereinheit diente, zum Katalysator, der ihn seinen eigenen Stil finden ließ, den "nouveau realisme", der keine Sujets, sondern nur noch "objets moderne", nämlich die technischen Dinge dieser Welt kannte. Après le cubisme gab es nur noch die pure Bildwirklichkeit, in der alle Gegenstände untereinander gleich sind und lediglich unter dem Gesetz des "multiplikativen Kontrastes" stehen.

Verdeutlichen läßt sich dies anhand der Erinnerungen Légers zu seiner berühmten La Joconde aux clefs von 1930 (Biot, Musée Léger): "Eines Tages, nachdem ich einen Schlüsselbund gezeichnet hatte, fragte ich mich, welches das einem Schlüssel entfernteste Element sei, und ich sagte mir: Das ist eine menschliche Gestalt. Ich gehe auf die Straße hinaus und entdecke in einem Schaufenster das Bild der Mona Lisa. So habe ich das Bild Mona Lisa mit Schlüsseln gemacht [...]. Nie war ein Gegensatz stärker als der zwischen diesem Schlüsselbund und der Mona Lisa. Dann habe ich noch eine Sardinenbüchse hinzugefügt. Das ergab einen pointierten Kontrast!" Auch in dem etwas früher den Les deux profils sehr ähnlichen Bild Profils noir et blanc (Bauquier 573) zeigt sich die provokante Egalität von schattenrissartigen Gebilden und mehr oder weniger gegenständlich deutbaren Mustern oder Gegenständen wie einem Tisch, Schachbrett, Blatt oder Wasser. Galten Silhouetten vor der Erfindung der Photographie im 19. Jahrhundert als wertvoller Bildnisersatz, so verwandelte sie Léger in seinem Bild zu mittels Farb- und Formkontrasten aufeinander bezogenen Bildelementen ohne besondere Bedeutung.