Oskar Kokoschka © Fondation Oskar Kokoschka/VBK, Wien 2010
Alma Mahler-Werfel gibt in ihren Erinnerungen ein anschauliches Porträt Kokoschkas. Beide hatten in den Jahren von 1912 bis 1914 ein leidenschaftliches Verhältnis, dessen Bruch Kokoschka nie richtig verwunden hat. "Oskar Kokoschka ist als Mann und Mensch ein höchst seltsames Gemisch. Schön angelegt als Gestalt, stört etwas in der Struktur. [...] Das Gesicht trägt er sehr erhoben. Der Gang ist schlampig, er wirft sich förmlich beim Gehen vorwärts."Etwas von dieser Widersprüchlichkeit in sich befähigte Kokoschka, die Zerrissenheit seiner Zeit und Zeitgenossen zu empfinden und darzustellen, besonders in den Portraits, für die er anfangs berühmt war. Ein traumatisches Kriegserlebnis, eine schwere Kopfverletzung, führte jedoch dazu, dass er sich vom Einzelbildnis zurückzog und verstärkt dem Städteportrait, der Darstellung menschlicher Gemeinschaft zuwandte. Inspiriert von Albrecht Altdorfers Alexanderschlacht (München, Alte Pinakothek) schuf er nach 1917 eine Reihe von Städtebildern, die er als 'Weltlandschaften' verstand.
Kokoschka hatte im Frühjahr 1926 von seinem Zimmer im Savoy Hotel aus eine Große Themse-Landschaft (Buffalo NY), die Waterloo Bridge (Cardiff) und schließlich die Kleine Themse-Landschaft gemalt. Vielleicht meinte er letztere, als er 1971 in seinen Erinnerungen über ein bestimmtes Londonbild sprach. Die Kleine Themse-Landschaft befand sich damals tatsächlich noch in Paris. "Ein Bild, an dem mir besonders liegt, mit dem Blick auf die Themsebiegung, wo man vom Balkon meines Hotels auf die "Kleopatra-Nadel" hinabblickt, ist heute ebenso wie das Hotel verschwunden vielleicht befindet sich das Bild noch in Frankreich". Kokoschka erläuterte in seinen Memoiren auch, was ihn bei seinem Aufenthalt 1926 an der Kapitale des British Empire so fasziniert hatte: "Die Themse, diese durch Jahrhunderte strömende Lebensader, versuchte ich immer wieder im Bilde festzuhalten — den Fluss, an dem Völkerscharen sich in einem Gemeindewesen mit einem eigenen Lebensstil vereinigten, die verschiedensten Rassen unter einen Hut gebracht wurden wie nur in den antiken Staaten einst in Asien oder China oder in der alten Donau-Monarchie."



Bild Zoom
Webclip