Joan Miro © Succession Miró/VBK, Wien 2011
Obwohl Joan Miró heute zu den bekanntesten unter den Surrealisten gezählt wird, wurde er von diesen, besonders von der Gruppe um André Breton, eher ein wenig belächelt. Anders als ein weiterer Surrealist und ebenfalls Katalane, Salvador Dali, der eine bis an den Größenwahn grenzende Selbstdarstellung zelebrierte, wahrte Miró in alle Dingen stets eine diskrete Zurückhaltung. Er machte sich besonders durch dieses bürgerlich korrekte Auftreten bei seinen Künstlerkollegen suspekt. Der amerikanische Kunstkritiker Greenberg vermerkte 1947 folgendes nach einen Interview mit Miró: Man sah "... einen kurzen, kompakten, eher wortkargen Mann in dunkelblauem Anzug. Er hat einen wohlgeformten runden Kopf mit kurzgeschorenen Haaren, blasser Haut, kleinen regelmäßigen Zügen, flinken Augen und Bewegungen. Er ist leicht nervös, aber gleichzeitig unpersönlich in der Gesellschaft von Fremden. Man fragt sich willkürlich, was diesen Bourgeois zur modernen Malerei, der Rive Gauche und dem Surrealismus gebracht haben konnte."
Solch scheinbarer Widerspruch zwischen Lebensweise und Kunst wäre auch bei anderen, nicht weniger bekannten Künstlern zu vermelden gewesen, bei Paul Klee etwa oder René Magritte. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass die geordneten Verhältnisse, die Ordnung und Anordnung der Dinge Halt und Ausgangspunkt für die künstlerische Tätigkeit waren. Ein Beispiel dafür mag die Collage Métamorphose sein, an welcher Miró laut rückseitigem Vermerk vom 23. März bis 4. April 1936 arbeitete. Nicht selten ging Miró von zufällig sich ergebenden Anordnungen bestimmter Materialien aus, hier etwa die aufgeklebten, wie Abziehbildchen aussehenden Blumen, Vögel und Meerestieren. Die Konstellation gefundener Dinge verwandelt Miró zu einem Bild, indem er die Bildchen zu einem Wesen mit Rumpf, Armen und einem an eine große Eizelle erinnernden Kopf in Beziehung setzt. Die Assoziation an Gottes Erschaffung der Welt stellt sich ein: Himmel, Erde und Wasser sind angedeutet, ebenso Tiere und Pflanzen. Dass die Metamorphose, die schöpferische Verwandlung, Mirós künstlerisches Selbstverständnis betrifft, darauf verweist auch die Chiffre in der Ecke rechts unten: Palette und Pinsel, darüber ein Stern.



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