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Natalia Gontscharowa schlafend
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Höhe
49.5
Breite
69.5
Material
Öl
Malgrund
Leinwand
Entstanden
1910
Inv.Nr
G 0170

© VBK, Wien 2011

Larionow und Gontscharowa, Philemon und Baucis unter den russischen Bohemiens, waren vor dem Ersten Weltkrieg die treibende Kraft in der expressionistischen Moskauer Kunstszene. Im Jahr 1907 kehrten sie reich an Eindrücken künstlerischer Vielfalt und Möglichkeiten aus Paris zurück, wo sie ein Jahr zuvor am Herbstsalon teilgenommen hatten. Sie stellten sich aber der Tendenz anderer russischer Künstler entgegen, sich ganz einer bestimmten westlichen Stilrichtung zu verschreiben. Resultat war die Entdeckung und Sammlung von russischer Volkskunst, von Kinderzeichnungen und auch von Gemälden einheimischer, naiver Künstler, die Larionow im Jahr 1913 auch ausstellte. Gleichzeitig orientierte sich er an Kubismus und Futurismus, was sich in der Gründung der Gruppierungen "Karo-Bube" manifestierte. Der Übergang zur Abstraktion wurde aus Delaunays Orphismus entwickelt und "Rayonismus" genannt. "Der von uns vorgebrachte Stil rayonistischer Malerei", so heißt es 1913 im Manifest Rayonisten und Zukünftler, "denkt an räumliche Formen, die aus der Kreuzung der reflektierten Strahlen (rayons) verschiedener Gegenstände und Formen entstanden [...] Der Strahl wird bedingt in der Ebene als farbige Linie dargestellt".

Wie vielschichtig um 1910 das Spektrum von Larionows Schaffen war, deutet auch das Bildnis seiner Lebensgefährtin Natalia an, das vermutlich zu dieser Zeit und einer Reihe anderer Porträts entstanden ist, etwa Bildnis eines Mannes (Köln, Museum Ludwig). Es sind Bilder von intim dichter Atmosphäre in kleinerem Format und mit breitem Pinsel trocken, spontan und expressiv vorgetragen, Farbflächen blau oder schwarz konturierend. Auf einem Diwan, dahinter an der Wand ein breiter, etwas blinder Spiegel, ruht Natalia in weißem Unterrock. Sie ist bei Tag vermutlich in einer ihr typischen Haltung eingeschlafen, den Kopf auf den rechten Arm gebettet, den anderen zwischen das angewinkelte Knie geklemmt. Larionow nutzte diese Gunst und malte seine Geliebte, wie sie mit kindlicher Unschuld auf dem kalten Laken schläft. Was könnte reizvoller sein, als den geliebten Menschen schlafend zu beobachten und diesen schönen Anblick malend festzuhalten?