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Nature morte à la guitare
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Höhe
100.5
Breite
81.0
Material
Öl
Malgrund
Leinwand
Entstanden
1942
Inv.Nr
G 0091

Pablo Picasso ©  Succession Picasso/VBK, Wien 2011

Nachdem die Kampfhandlungen weitgehend eingestellt worden waren, kehrte Picasso im Spätsommer 1940 aus Royan nach Paris zurück. Deutschland hatte Frankreich in einem nur wenige Wochen dauernden 'Blitzkrieg' besiegt und die Hauptstadt am 14. Juni 1940 besetzt. Obwohl man Picasso wiederholt zur Emigration nach Amerika hatte bewegen wollen, beharrte er darauf, in der besetzten Hauptstadt zu bleiben. Über seine Beweggründe befragt, antwortete Picasso: "Oh, ich suche nicht die Gefahr, mir ist das alles ziemlich gleichgültig, aber ich möchte auch nicht der Gewalt weichen. Hier bin ich, hier bleibe ich. Die einzige Macht, die mich vertreiben könnte, wäre mein eigener Wunsch zu gehen. Hierbleiben ist eigentlich keine Manifestation des Mutes, sondern nur eine Form von Trägheit. Ich glaube, dass ich eben lieber hier sein will. Und ich werde bleiben, was immer es kostet." Dieser Entschluss war nicht ungefährlich. Denn Picasso war als 'entarteter' Künstler eingestuft und mit einem Ausstellungsverbot belegt worden.

Das "Hierbleiben" war seine Form des Widerstands. Er schien seinem Leben eine gewisse Normalität verleihen zu wollen, wenn er auch manchmal mit dem Ernst der Situation kokettierte. Picasso trug beispielsweise keinerlei Bedenken, einen deutschen Besatzungsoffizier in sein Atelier in der Rue des Grands-Augustins einzuladen, vor allem dann nicht, wenn dieser der Autor der Erzählung Auf den Marmorklippen war, in der 1939 in gleichnishafter Form vor Hitler gewarnt wurde. Ernst Jünger schrieb über diesen Besuch im Juli 1942 in sein Tagebuch: "An eine schmale Tür war ein Blatt geheftet, auf das mit Blaustift das Wörtchen: "Ici" geschrieben stand. Nachdem ich geklingelt hatte, öffnete mir ein kleiner Mann in einfachem Arbeitskittel, Picasso selbst. Ich war ihm selbst schon einmal flüchtig begegnet, und wieder hatte ich den Eindruck, einen Magier zu sehen — einen Eindruck, der damals noch durch ein spitzes grünes Hütchen gesteigert worden war." Auch die während der Okkupation entstandenen Bilder, zum Beispiel Nature morte à la guitare, lassen nur hintergründig Gedanken an die Kriegsumstände wach werden. Auf einem halbrunden, direkt an der Wand stehenden Tisch befinden sich eine Gitarre, davor ein Schälchen mit Oliven, ein gefülltes Glas sowie eine Zigarre. Links an das Möbel gelehnt, zum Kampf bereit, ein blanker Säbel mit blutrotem Griff. Die Kampfbereitschaft gehört hier genauso zu den Bedürfnissen oder Genüssen wie Essen, Trinken oder Rauchen. Über dem Stillleben hängt allerdings sehr schief ein schwerer Goldrahmen mit einem Bild oder Spiegel darin.