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Nus aux ibis
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Höhe
55.0
Breite
46.0
Material
Öl
Malgrund
Leinwand
Entstanden
1907
Inv.Nr
G 0239

Das Bild Nue aux Ibis von 1907 gehört zu Delaunays Juvenilia. Es ist beredter Beweis dafür, dass auch er sich in die Revolte der Fauves und ihrer ausdrucksstarken Farbigkeit eingereiht hatte. Hinsichtlich des Sujets allerdings dürfte Nue aux Ibis in Delaunays Frühwerk als singulär bezeichnet werden. Seit seinen Anfängen im Jahr 1903 beschäftigten ihn vor allem Porträts, Landschaften oder Stillleben. In diesem ungewöhnlicherweise figürlichen Bild gibt er zwei nackte "Nymphen" im bergenden Uferschilf, welche sich unbeobachtet fühlen und geben. Vorne rekelt sich unbekümmert eine junge Frau halb im Wasser. Eine andere zeigt beim Abtrocknen ihren schönen Rücken. Delaunay geht aber in der Sinnlichkeit über Darstellungen von Badenden bei Renoir oder Cezanne hinaus. Wasservögel, wohl Ibisse, phallische Symbole, stehen dabei. Sie beobachten die Frauen, säubern sich oder scheinen zu schlafen. Die Unabsichtlichkeit der zur Schau gestellten weiblichen Reize machen den Betrachter zum Voyeur. Vielleicht ließ sich Delaunay von Mallarmés Poem L'Après-Midi d'un Faune oder auch dessen Vertonung von Debussy inspirieren.

Das Leben und Schaffen Delaunays bekam eine sichere Richtung, als er 1910 die ihm künstlerisch ebenbürtige Russin Sonia Terk heiratete. Ihre Ehe wurde nicht nur zu einer glücklichen Lebens-, sondern vor allem zu einer äußerst produktiven Arbeitsgemeinschaft. Um diese Zeit hatte er sich zu den analytischen Kubisten Picasso und Braque gesellt und in Bildern wie Tour Eiffel eigenständige Ergebnisse erzielt. Delaunay befriedigte dies aber nicht. Wie im poetischen Zauber von Nue aux Ibis und anderer Frühwerke schon anklingend, zielte er in zunehmender Abwendung von den Kubisten auf eine völlig gegenstandslose Malerei der reinen Farbigkeit, die er 1912 in seinen Fensterbildern präsentierte: "In der rein-farbigen Malerei ist es die Farbe selbst, die durch ihre Spiele, ihre Brüche und Kontraste, das Gerüst des Bildes formt: die Entwicklung des Rhythmus, ohne die Mithilfe alter bildnerischer Mittel". Während er in Paris deswegen wie ein Ketzer behandelt wurde, ließen sich in Deutschland beispielsweise Macke oder Klee von ihm inspirieren. Der Dichter Apollinaire taufte diese neue Kunst in Anspielung auf die mythische Gestalt des antiken Sängers "Orphismus".