Joan Miro © Succession Miró/VBK,
Wien 2011
Françoise Gilot, selbst Künstlerin, überliefert ein interessantes Gespräch, das sie mit Picasso in den vierziger Jahren über Miro führte: "Pablo hatte mir, als wir seine Tresore in der B.N.C.I. besichtigten, einige frühe Miros gezeigt — das Selbstporträt, das jeder kennt, eine Fassung der "Ferme" (von der Hemingway eine andere besaß) und eine "Katalanische Bäuerin" [...]. Selbst wenn man Miro liebe, könne man nicht behaupten, das sei die Malerei eines Sehers, wie etwa die Paul Klees. Pablo lachte. "Du hast recht. Miro läuft jetzt schon zu lange in der Verkleidung eines kleinen Jungen hinter einem Reifen her." Erwähnenswert an diesem Dialog ist nicht so sehr die Tatsache, dass Picasso einige Bilder Miros aus der vor-surrealistischen Zeit besaß, sondern der treffsichere Vergleich mit Paul Klee, den Miro zwar nie persönlich kennengelernt hat, ihn aber wie ein Vorbild verehrte; auch die etwas abschätzige Bemerkung über Miro am Schluss, er trage die Verkleidung eines spielenden, kleinen Jungen schon zu lange. Picasso, dessen künstlerisches Prinzip Stilbruch hieß, vermochte die Kontinuität in Miros Schaffen nicht zu würdigen. Dessen Malerei, die manchmal an die von Kindern erinnert, war keine Masche.
Der Verlauf des spanischen Bürgerkrieges, weswegen Miro sich von 1936 bis 1940 in Paris im Exil aufhielt, und besonders der Fall der Republik im Jahr 1937 wurde von den Intellektuellen und Künstlern in Paris mit großer Sorge wahrgenommen. Nicht wenige, wie der amerikanische Schriftsteller Hemingway, kämpften auf der Seite der republikanischen Truppen. Picasso und Miro warfen ihre Kunst in die Waagschale für ein "freies" Spanien, indem sie wichtige Beiträge für den Pavillon der spanischen Republik auf der Pariser Weltausstellung von 1937 schufen: Jener die monumentale Anklage Guernica, dieser das zum Widerstand auffordernde Wandbild Der Schnitter (verschollen). Wie sehr die Künstler der Untergang der Republik betroffen machte, belegt auch das Werk eines anderen Surrealisten, der Hausengel von Max Ernst (München, Staatsgalerie), der "eine Art von Trampeltier, das alles, was ihm in den Weg kommt, zerstört und vernichtet" darstellt. In Miros Oiseaux et insectes, 1938 entstanden, stellt sich nicht der Täter wie bei Ernst in den Mittelpunkt, sondern das Opfer: der gerupfte, von grinsenden Insektenwesen bedrohte Vogel — ein Symbol gefährdeter Freiheit.



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