Nach seiner Übersiedlung nach West-Berlin 1963 entwickelte der aus Böhmen stammende Markus Lüpertz einen erzählerischen Malstil, der sich klar von der gestischen Abstraktion der fünfziger und frühen sechziger Jahre unterschied. Aufsehen erregte seine «dithyrambische Malerei» - zu deutsch, trunkene Malerei - vor allem, als der Künstler Anfang der siebziger Jahre Militaria wie Stahlhelme, Kanonen oder Wehrmacht-Uniformen in seine Bilder einführte. Klare Bezüge zur Tradition, auch solche politischer Art, bilden seitdem ein Grundthema in seinem Schaffen. Nicht selten finden sich darin aber auch Bezüge zur Literatur- und Musikgeschichte. Ein Bild wie Männer ohne Frauen. Parsifal, das wie so oft bei diesem Künstler Teil einer grösseren Serie ist, wurde ohne Zweifel von Richard Wagners Oper Parsifal inspiriert.
1996, anlässlich der Salzburger Osterfestspiele, stellte Lüpertz in der Galerie Ropac eine Bilderserie zu Giuseppe Verdis Oper Otello aus, zu der auch die beiden rechts reproduzierten Bilder gehören. Das identische Format und die identische Art der Rahmung zeigen, dass es sich dabei um Pendants handelt. Wie beim italienischen Komponisten, der Shakespeares Tragödie 1883 für das Musiktheater adaptiert hat, ist die Handlung auf die drei Protagonisten beschränkt: den Mohren Othello, Admiral der venezianischen Flotte, seine schöne junge Frau Desdemona und den Intriganten Iago. Auf dem Bild Othelloballett werden die drei Protagonisten wie auf einer Bühne nebeneinander stehend vorgeführt, mit amphorenartigen Leibern, die wohl als Sinnbilder menschlicher Zerbrechlichkeit zu verstehen sind. Links erkennt man Desdemona, in der Mitte Othello und rechts Jago. Offensichtlich interessierte Lüpertz an diesem Eifersuchtsdrama aber vor allem das blutige Ende. So ist auf dem Bild Othello theatralisch die Ermordung Desdemonas durch Othello dargestellt. Aus dessen Kopf fährt eine blutrote Zunge, welche seine unbekleidete Frau zu Tode bringen soll.



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