© VBK, Wien 2011
Wie Delvaux, so stammen aus Belgien zwei weitere Maler, die mit dem Surrealismus in Verbindung gebracht werden: James Ensor der eine, der bis zu seinem Tod 1949 in Ostende lebte und den Pariser Surrealisten ein großes Vorbild war. Der andere Belgier, der auch auf Delvaux' Schaffen entscheidenden Einfluss ausübte, war der um ein Jahr jüngere René Magritte. Während für diesen Malerei "eine Kunst des Denkens" bedeutete und dies in Bildern wie Ceci n'est pas une pipe demonstrierte, welche die Malerei in ihrer Abbildfunktion aufs Korn nahm, blieb Delvaux bei der Darstellung von enigmatischen Traumbildern verfremdeter Wesen und Dinge. Solche Thematik verweist auf Giorgio di Chirico und seine "Pittura Metafisica". Diese um den Ersten Weltkrieg begründete, betont gegenständliche Stilrichtung zielte auf das Sichtbarmachen der metaphysischen Aspekte der Welt. Wie Magritte so nahm zwar auch Delvaux an Ausstellungen der Surrealisten teil, wahrte aber kritische Distanz zu deren "Schiedsrichter" André Breton.
Das 1958 gemalte Bild Paysage aux lanternes ist ein Reflex einer Reise, die Delvaux 1956 nach Griechenland unternommen hatte, deren gewaltige Eindrücke er erst Jahre später unter dem Titel "A propos d'un voyage en Grèce" (1965) veröffentlichte. Besonders die zahlreichen Überreste der Antike mussten den humanistisch gebildeten Delvaux faszinieren. Paysage aux lanternes gibt einen melancholischen Rückblick auf Vergangenes. Vorne, in der Bildmitte, mit dem Rücken zum Betrachter steht eine in Schwarz gekleidete Frau. Sie blickt den von weißen Mauern, die einen Garten einschließen, und brennenden Gaslaternen flankierten Weg entlang auf einen in Leinen gehüllten Leichnam, der von zwei Trägern weggebracht wird. In der Ferne, landschaftlich wüst und nur spärlich bewachsen, sind altertümliche Ruinen zu erkennen. Aber auch nackte Athleten, Männer wie Frauen, die auf einem antiken Sportplatz, einem Gymnasion, um die Wette laufen oder andere, meist zu Paaren, die auf einem Hügel lustwandeln. Die Frau im Vordergrund schaut in ein Totenreich, zu dem keine Verbindung mehr besteht. Die Leitungen des Telegraphenmasten sind gekappt!



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