Francis Bacon © The Estate of Francis Bacon/VBK, Wien 2011
Francis Bacon zählt neben Alberto Giacometti zu den bekanntesten und bedeutendsten Malern des Existentialismus, einer Geisteshaltung der jungen Kriegsgeneration, die in den 50er Jahren ein "Leben ohne Gott" probierte. Eine Pariser Ausstellung von Werken Picassos im Jahr 1926 bestärkte den noch nicht einmal zwanzigjährigen Bacon, Maler zu werden. Von Picasso und dem Surrealismus beeinflusst, kehrte er nach einem zweijährigen Parisaufenthalt 1929 nach London zurück und versuchte sich erfolgreich als Autodidakt. In den dreißiger Jahren arbeitete Bacon hauptsächlich als Innenarchitekt und Möbeldesigner, der gelegentlich seine Bilder im eigenen Designerstudio ausstellte. In einem Anflug von Verzweiflung verbrannte er 1943 alle seine bisherigen Arbeiten. Seine Stunde schlug dann in der Nachkriegszeit: Das Bild Painting 1946 (New York), welches einen deformierten Mann innerhalb eines geschlachteten Tieres zeigt, machte ihn berühmt und gab auch den Basso continuo seines Nachkriegsoeuvres vor, Gewalt und Verzweiflung.
In verwandelter Form zeigt sich Bacon als Erbe Picassos, vor allem in der Treue zur menschlichen Figur sowie in der Verwendung traditioneller Bildformen und Themen (Triptychen, Kreuzigungen, Bildnisse). Geradezu exemplarisch ist das Thema der Seated Figure von 1960 zu nennen, weswegen es vermutlich der Sammlung des englischen Malers Lucian Freud, einem Enkel des berühmten Wiener Psychoanalytikers, gehörte. Innerhalb eines dunkelblau gehaltenen Kubus, in einer nicht näher definierten Nische, zeigt sich eine männliche Gestalt mit zerstörten Gesicht und verstümmelter Hand, die verzweifelt um sich greift, als ob sie den Platz ausfüllen wollte. Härter könnte der Kontrast des streng zentralperspektivisch konstruierten Raumes zur Dynamik des Menschen nicht sein. Bestimmte Leonardo da Vincis berühmte Proportionsfigur im Quadrat das Maß der Dinge, so hat sich das Verhältnis bei Bacon ins Gegenteil verkehrt.



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