Rudolf Wackers Ruhm konnte sich wegen seiner langen Kriegsgefangenschaft in Sibirien nur langsam verbreiten. 1920 wieder in Freiheit begab sich Wacker ohne weitere Verzögerung nach Berlin, welche Stadt schon vor 1914 als die Kunstmetropole Deutschlands galt. Dort fand er Anschluss an die Vorkriegs-Avantgarde, im besonderen an die inzwischen berühmt gewordenen Maler des deutschen Expressionismus. Später wurde er zum bedeutenden Vertreter einer um 1925 aufkommenden Stilrichtung, die sich als Gegenreaktion auf die verzerrende Subjektivität des Expressionismus verstand und die die emotionslose Objektivität in der Darstellung von Menschen und Dingen anstrebte: die Neue Sachlichkeit. Vor allem als Stilllebenmaler machte Wacker sich sehr bald einen Namen. Besonders sind seine Puppenbilder erwähnenswert, in denen er existentielle Nöte sinnfällig zu machen wusste.
Wacker war ein Mensch mit der ausgeprägten Gabe gedanklicher Reflexion und
rigoroser Selbstprüfung. Davon zeugt ein umfangreiches Diarium, in dem er
seine Befindlichkeit im menschlichen Bereich ebenso festhielt, wie in Bezug
auf seine Kunst. Auf künstlerischem Gebiet entspricht diesem Hang der
Selbstbespiegelung die Gattung des Selbstporträts, von denen er zeitlebens
nicht wenige gemalt hat. Diesbezüglich muss Wacker mit den großen
Selbstbildnismalern der zwanziger und dreißiger Jahre Beckmann, Dix, Kirchner
oder Kokoschka genannt werden.
Das Selbstbildnis mit Puppe von 1923 stammt noch aus seiner expressionistischen Phase. Der Malweise nach
ein wenig an Ludwig Meidner erinnernd, stellt sich der Künstler in seinem
Atelier vor einem eigenen Gemälde dar, von welchem heute noch ähnliche
Fassungen existieren. Auf ihm ist Kinderspielzeug in Gestalt einer Puppe und
eines Fuchses auf gelben Rädern zu sehen. Dünn im Gesicht, fahl und
leichenblass wendet Wacker seinen ängstlichen Blick am Betrachter vorbei über
die linke Schulter. Nur Nase und Ohren sind wie vor Kälte etwas gerötet; auf
sinnliches Verlangen deutet der rote Mund. Während die Puppe auf dem Bild den
Weg mit Bestimmtheit zu wissen scheint, malt sich der Maler selbst unsicher
und richtungslos.



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