© VBK, Wien 2011
Schmidt-Rottluff war das jüngste unter den Mitgliedern der Künstlervereinigung "Brücke", deren Namensgebung, so wird überliefert, auf seine Idee zurückgeht. Ob dabei Friedrich Nietzsches philosophische Bestimmung des Menschen als Brücke und Übergang oder aber die vielen Brücken in Dresden Pate standen, ist nicht mehr zu klären. Schmidt-Rottluff war auch der Individualist in dieser Gruppierung, die täglich in ihrem Gemeinschaftsatelier zusammenarbeiteten. Er malte meist bei sich oder in den Jahren 1907 bis 1911 die Sommermonate über in Dangast, einem abgeschiedenen Bauerndorf bei Oldenburg. Auch hatte er als einziger ein Atelier in Hamburg, wo sich die meisten passiven Mitglieder der "Brücke" befanden. Wie Nolde konnte sich Schmidt-Rottluff besonders für das Ursprüngliche und Primitive begeistern, das sich in seiner kraftvoll, fast derben Malerei zeigt. Weniger wichtig war ihm das Stakkato des Pinsels, als das Entscheidende galt ihm die Ausstrahlung und Intensität der Farben, vor allem im warmen Skalenbereich.
In Stilleben mit gelben Tulpen, das auf die Rückseite eines vielleicht nicht gelungen erschienenen Landschaftsbildes gemalt wurde, gibt Schmidt-Rottluff eine Atelierpause wieder. An einem roten, runden Tisch, auf dem drei verschieden Tassen, eine Zuckerdose sowie eine Kaffeekanne um eine Vase mit hellgelben Tulpen herumstehen, sitzt erschöpft ein weibliches Modell mit maskenhaften Gesichtzügen, den Kopf zurückgelegt. Nach dem Besuch der Sonderbundausstellung in Köln im September 1912 wurde Schmidt-Rottluff mit den Werken der Kubisten bekannt, die ihn wohl auch eine zeitlang beeinflußten. Das Stilleben mit gelben Tulpen muß davor entstanden sein. Denn typisch ist hier noch der weiche Schwung des Pinsels, der übereinstimmt mit den warmen Rottönen. Besonders charakteristisch für Schmidt-Rottluff ist das Zinnober der Vase. Von gedämpftem Rot sind dagegen die Farbe des Tisches und die sonnengebräunte Haut des nackten Modells, das sich auf einem Stuhl räkelt.



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