1891 lernte Marianne von Werefkin in St.Petersburg ihren späteren Lebensgefährten, den Maler Alexej von Jawlensky, kennen und zog mit ihm 1896 zur weiteren Ausbildung nach München. Die Förderung ihres hochbegabten Lebensgefährten lag der jungen Frau so sehr am Herzen, dass sie, obschon sie bereits auf höchst erstaunliche Erfolge zurückblicken konnte, bis 1906 auf jede eigene künstlerische Betätigung verzichtete. Als sie dann schliesslich doch wieder zum Pinsel griff, orientierte sie sich wie Jawlensky nicht mehr am Realismus von Ilja Repin, welcher in St. Petersburg ihr Lehrer gewesen war, sondern an der Münchener Avantgarde, an deren Spitze ebenfalls ein junger Russe stand: Wassily Kandinsky. Auch sie begann nun ganz expressionistisch zu malen, ohne dass ihr neuer Stil zum Abklatsch dessen wurde, was sie in den Ateliers ihrer Freude sah. Vielmehr gelang es der Künstlerin, innert kürzester Zeit zu einer Ausdrucksweise vorzustossen, die hinsichtlich Form und Inhalt ganz neue Wege beschritt.
Das vorliegende Bild Sturmwind muss der Künstlerin so wichtig gewesen sein, dass sie es 1920 auf der Biennale in Venedig ausstellte. Aufgrund stilistischer Vergleiche kann es in die Zeit kurz nach Werefkins Übersiedlung nach Ascona datiert werden, wohin sie sich nach ihrer Trennung von Jawlensky im Herbst 1915 zurückgezogen hatte. Dargestellt ist eine stürmische und kalte Nacht, die ein paar einsame Spaziergänger zur Einkehr in ein Wirtshaus bewegt. Hell und warm leuchtet es aus der Gaststube auf die Strasse hinaus, wobei die an der Decke hängenden Lampen merkwürdig an die geflügelten Putten bayerischer Barockkirchen erinnern.



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