© VBK, Wien 2011
Als Hans Hofmann 1932 aus existentiellen Gründen Deutschland verließ und endgültig in die USA übersiedelte, war er als Künstler weitgehend unbekannt. In der Öffentlichkeit wurde keinerlei Notiz von ihm genommen, niemand ahnte, dass dieser Emigrant die amerikanische Kunstszene maßgeblich beeinflussen würde, die dann in den 50er Jahren in Form des Abstrakten Expressionismus internationale Triumphe feiern sollte. In der Weimarer Zeit konnte sich Hofmann nur dank seiner privaten Malschule in München einigermaßen über Wasser halten, die besonders unter den amerikanischen Studenten einen sehr guten Ruf genoss. Wie Zeitzeugen berichten, setzte sich Hofmann sehr für seine Studenten ein, so dass ihm kaum Zeit für eigene Arbeiten blieb. In größerem Umfang nahm Hofmann die Malerei erst wieder in Amerika auf, wo er 1934 eine neue Malschule in New York gründete, die verständlicherweise großen Zulauf hatte. Viele der jungen Künstler wollten sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, von einem Maler unterrichtet zu werden, der in Paris und München gelebt, der Matisse, Kandinsky und viele andere Künstler der europäischen Avantgarde persönlich kennen gelernt hatte.
Kurz vor dem 2. Weltkrieg weist Hofmanns Oeuvre ein erstaunliches Spektrum auf: Bildnisse, Stillleben und Landschaften mit abstrakten Tendenzen, die um 1937 erstmals auftauchen. Das unbetitelte Bild von 1938 gehört zu den frühen gänzlich abstrakten Versuchen, die dann 1939 zu dem berühmten Gemälde Red Trickle führen, das den späteren Hauptvertreter des Abstrakten Expressionismus Jackson Pollock wesentlich beeinflusst haben soll, als dieser 1942 Hofmanns Atelier besuchte. Anders aber als Pollock mit seinen Drip-Paintings beharrte Hofmann in seiner Malerei, mögen seine Bilder auch noch so gegenstandslos aussehen, auf einem Verhältnis zur Natur, zum Realen, zum Gegenstand. Das Bild von 1938 bezeugt diese Spannung zwischen Gegenstand und Abstraktion, zwischen Linie und Farbe. Auf einem weiß gehaltenen Grund erkennt man eine schwarze Pinselzeichnung, die rudimentär an ein Stillleben erinnern: Eine Kanne vielleicht und ein kegelförmiger Gegenstand lassen sich erahnen. Diese werden in den Grundfarben koloriert. Die Farbenfelder sind ihrerseits zum Teil mit (unverständlichen) Schriftzeichen versehen, so dass sie als Fläche begriffen werden können.



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