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Le paradis terrestre
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Höhe
50.5
Breite
50.5
Entstanden
1959
Technik
Wandkeramik aus vier Kacheln, geritzt und bemalt, nach dem Brennen mit Ölfarbe überarbeitet
Inv.Nr
K 0372

© VBK, Wien 2011

Seit Mitte der fünfziger Jahre stellte in Chagalls Schaffen die Message biblique ein zentrales Thema dar, auch auf dem Gebiet der Keramik, die ja ohnehin stets unter dem Einfluss seiner Malerei stand. So fertigte der Künstler 1956 für eine Kapelle in Savoyen aus nicht weniger als neunzig Kacheln ein grosses Wandbild an, das Szenen des Alten Testaments wiedergibt.

1959 begann der Künstler sich besonders intensiv mit dem Thema der Erschaffung des Menschen zu beschäftigen, unter anderem auch in einer Serie von sechs Kachelbildern. In diese Serie gehört die vorliegende, 1959 in Vallauris entstandene Wanddekoration aus vier Kacheln, die sicher zu Chagalls schönsten Arbeiten in dieser Technik zählt.

Auf der linken Bildhälfte ist die Erschaffung Evas geschildert. Bedeckt von einer grossen Wolke, in der wie ein Bolzen Adam steckt, ist Eva in Embryostellung abgebildet; über der Wolke aber schwebt ein riesiges Mischwesen aus Vogel und Fisch, in dem sich wohl der allmächtige Schöpfergott versteckt. Rechts dagegen ist der Sündenfall dargestellt. Aus einem blühenden Bäumchen blickt verführerisch die Schlange auf das eng umschlungene Paar, während über ihm ein Engel entrüstet die Arme über die beschämende Szene breitet.

Erstaunlich an diesem Werk ist die Vielfalt der verwendeten Materialien und Arbeitsinstrumente. Auf die ungebrannten weissen Tonkacheln muss Chagall erst mit dem Pinsel eine grün-blaue Engobe aufgetragen haben, die als dominierender Grundton die gesamte Fläche bedeckt. Um dieser Farbe noch mehr Tiefe und Spiel zu geben, reicherte er sie – ebenfalls mit Hilfe des Pinsels – mit schillerndem Oxydpulver und einer goldfarbenen Emaille an. Die figürliche Zeichnung scheint er dagegen erst mit einem Messer und einer Radiernadel eingraviert zu haben; darauf verdeutlichte und vertiefte er sie mit Farbe und Pinsel. Weil beim Brennen unglücklicherweise Haarrisse entstanden, überarbeitete er die Kacheln schliesslich noch mit Ölfarbe, so dass die farbige Dichte nochmals eine wesentliche Steigerung erfuhr.

Erscheint auf dieser vierteiligen Wandkeramik das Paradies bei Tag, so gibt eine nur aus zwei Kacheln bestehende Variante die nahezu identische Szene bei Nacht wieder.