© VBK, Wien 2011
1941 war Chagall infolge der Kriegsereignisse nach Amerika emi-griert. Als er im Oktober 1949 wieder nach Frankreich zurückkehrte, liess sich der 62-Jährige nicht mehr in Paris nieder, sondern im malerischen Vence an der Cote d'Azur. Inspiriert von der noch immer sehr lebendigen Tradition des Töpferhandwerks im Süden, begann er wie seine Kollegen Matisse und Picasso, die ebenfalls in Südfrankreich lebten, Keramiken zu bemalen. In enger Zusammenarbeit mit der Poterie des Remparts in Antibes schuf er zwischen 1950 und 1972 über 220 Teller, Platten, Vasen und Wanddekorationen, die, im Gegensatz zu Picassos Keramiken, ausnahmslos Unikate sind und die ihrer Fragilitat wegen bis heute nur selten ausgestellt werden konnten.
Thematisch griff Chagall beim Bemalen dieser Keramiken häufig auf Motive zurück, die er bereits in Staffeleibildern behandelt hatte. In formaler Hinsicht erinnern sie dagegen eher an seine druckgraphischen Blätter. Dies gilt auch fur das vorliegende zwölfteilige Werk, das ganz am Anfang von Chagalls Tatigkeit als Keramiker steht. Eng umschlungene Liebespaare, die über der Stadt Paris schweben, meist in der Gegend des Pont-Neuf, gibt es bei Chagall zwar oft auch in Form von Ölbildern. Die Gestaltung des Werkes erinnert dagegen klar an die Lithographiertechnik des Künstlers. Wie dort ist das Motiv als schwarze Pinselzeich-nung auf den weissen Grund aufgetragen, bevor der Künstler diese Zeichnung schliesslich mit breitem Pinsel farbig lavierte.
1952 hat Chagall zum zweiten Mal geheiratet, was vielleicht auch der Grund ist, warum er Anfang der fünfziger Jahre das Motiv der Der Verlobten von Paris so oft dargestellt hat.



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