Pablo Picasso © Succession Picasso/VBK, Wien 2011
Schon in seinen frühen Pariser Jahren hatte Picasso, der nie müde wurde, neue Techniken und Materialien zu erproben, den Werkstoff Keramik entdeckt. Aber erst im Sommer 1947, kurz nach seiner Niederlassung in Südfrankreich, wurde die Keramik für ihn zu einer wahren Passion. Allein bis 1949 bemalte er über 2000 Platten, Teller und Gefässe, wobei er einigen dieser Objekte vorgängig bereits ihre spezifische plastische Form verliehen hatte.
Begonnen hatte dies alles, als Picasso eines Tages in Vallauris im Hinterland von Cannes die Töpferwerkstatt Madoura entdeckte, die aus dem weissen Ton, für den die Gegend berühmt ist, seit Jahrhunderten Keramik für den Hausgebrauch herstellte. Geführt wurde diese Werkstatt von Suzanne und Georges Ramie, die sich spontan anerboten, den Künstler mit den traditionellen Techniken und Materialien der Töpferkunst vertraut zu machen, insbesondere mit den Glasuren und Engoben, mit denen sich ungebrannter Ton bemalen lässt. Fasziniert von den vielfältigen gestalterischen Möglichkeiten stürzte sich Picasso mit der gleichen Leidenschaft auf diesen neuen Werkstoff, wie er sich Jahre zuvor auf die Druckgraphik gestürzt hatte. Dabei scheute er sich nicht, schon bald auch neue und äusserst gewagte Methoden auszuprobieren, ohne jede Sicherheit, ob der Versuch auch gelingen werde. Diese Beschäftigung nahm ihn schliesslich so sehr in Anspruch, dass er seinen Wohnsitz in Golfe-Juan aufgab und ins kleine Dorf Vallauris zog.
Die vorliegende Schale mit einem bärtigen Männergesicht gehört, wie die exakte Datierung auf der Rückseite beweist, an den Anfang dieser Entwicklung. Picasso macht hier im Grunde nichts anderes, als was er sich von der Handzeichnung und der Druckgraphik her gewohnt war: Er bemalt mit dem Pinsel eine vorgegebene Unterlage, in diesem Fall eine Schale aus weissem Ton. Kein Wunder, dass dieser mythologische Kopf noch stark an die zahlreichen bärtigen Männergestalten in Picassos berühmter Suite Vollard erinnern, die, wie die Titel der Blätter beweisen, als fiktive Künstlerbildnisse zu verstehen sind: Sie stellen allesamt einen antiken Bildhauer dar.


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