Geburtsort
Sterbedatum
Sterbeort
Cuiseaux, Saone-et-Loire, Frankreich
21.06.1940
La Baule, Loire-Atlantique, Frankreich
Vuillard wurde am 11. November 1868 in Cuiseaux (Saone-et-Loire) geboren. Bereits 1877 übersiedelte die Familie nach Paris. Edouard besuchte das Lycée Condorcet, wo er Denis und Roussel, seine späteren Künstlerfreunde, kennenlernte; sein Englischlehrer war der Dichter Stephan Mallarmé. Nach dem Tod des Vaters 1884 entschied sich Vuillard nicht wie vorgesehen für die Militärlaufbahn, sondern trat statt dessen mit Rousell in das Atelier des Malers Diogène Maillart ein; ab 1886 studierte er an der Académie Julian. Nach drei Fehlschlägen wurde er 1887 in die Ecole des Beaux-Arts aufgenommen. Bei seinen regelmäßigen Besuchen im Louvre studierte er die alten Meister; er malte traditionalistische Selbstbildnisse und Stilleben in der Art Chardins und der holländischen Maler des 17. Jahrhunderts. Durch Denis lernte er 1890 Bonnard und Serusier kennen. Seit damals nahm Vuillard regelmäßig an den Treffen der Nabis teil; zusammen mit Bonnard und Roussel bildete er einen Kreis für sich, der weniger berührt war von dem Mystizismus eines Serusier oder Denis. 1891 mietete er sich gemeinsam mit Bonnard ein kleines Atelier, das zum Treffpunkt der Künstlergruppe wurde. Erst jetzt begann Vuillard, seinen eigenen Stil zu entwickeln. In Übereinstimmung mit den Forderungen der Nabis bemühte er sich um einen betont flächigen Stil und erarbeitete anstelle des traditionellen Illusionismus neue bildnerische Mittel für die Darstellung von Raum und Körperlichkeit in der Fläche. Für die Nabis spielte die Einbindung der Malerei in die Architektur und damit die Idee des Gesamtkunstwerks eine große Rolle. Vuillard erhielt als erster der Gruppe 1892 den Auftrag für eine Innendekoration und schuf sechs dekorative Wandbilder, die von der zeitgenössischen Kritik begeistert aufgenommen wurden. Im selben Jahr unternahm Vuillard zusammen mit Roussel eine Reise nach Belgien, Holland und London, um in den Museen die holländischen Maler des 17. Jahrhunderts zu studieren. Ihr Einfluß zeigt sich in Vuillards Werk der kommenden Jahre. Für den Speisesaal von Alexander Natanson malte er 1894 die neun Wandbilder Jardin publics de Paris in der neuen, freskenartigen Technik der Leimfarbenmalerei (peinture à colle), die er am Theater kennengelernt hatte. 1899 publizierte Vollard das bedeutendste druckgraphische Werk Vuillards, Paysage et interieurs, das gleichzeitig mit Bonnards Quelques aspects de la vie de Paris erschien. 1900 unternahm Vuillard eine Reise in die Schweiz, wo er den Kunsthändler Jos Hessel kennenlernte; durch ihn fand Vuillard Eingang in die Kreise der Industriellen, Bankleute und Politiker, die ab nun seine Hauptauftraggeber wurden. Damit hängt die entscheidende Stiländerung zusammen: Die flächige Gestaltungsweise wurde abgelöst von einer erneuten Betonung des von Farbe und Licht getragenen Bildraums. Abgesehen von mehreren Reisen verbrachte Vuillard sein Leben weiterhin in Paris. 1939 gestaltete er Dekorationen für den Völkerbundpalast in Genf. Er starb am 21. Juni 1940 in La Baule (Loire-Atlantique), wohin er vor der deutschen Invasion geflüchtet war.


