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Cheval à six têtes
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Höhe
98.0
Breite
110.0
Tiefe
42.0
Material
Bronze
Entstanden
1956
Inv.Nr
S 0260

© VBK, Wien 2011

Die französische Bildhauerin Germaine Richier zählt zu den Hauptvertretern der surrealistischen Plastik der Nachkriegszeit. Ihre solide handwerkliche Ausbildung hatte sie bei Emile Bourdelle, einem Schüler Rodins, genossen, in dessen Akademie sie bis zu Bourdelles Tod 1929 arbeitete. Dies erklärt nicht nur, weshalb sich Richier, im Gegensatz zu vielen ihrer Generationsgenossen, nie ganz von der Figuration zu lösen und ins Ungegen­ständliche vorzustossen vermochte; es erklärt wohl auch ihren Hang zur Fragmentisierung. Wie das titellose Werk aus der Sammlung Batliner zeigt, pflegte die Künstlerin eine kompakte Form so lange aufzubrechen und aufzureissen, bis der Eindruck von etwas Zerfallendem oder gar Verwesendem entstand. So erinnert dieses titellose Werk an einen geschundenen Menschenkörper, zumal an den Leib Christi, wie er auf spätmittelalterlichen Dar­stellungen der Kreuzabnahme oder der Grablegung erscheint.

Nur ein paar Jahre später entstand die, viel grössere Plastik aus Bronze, die sicher zu den wichtigsten Arbeiten in Richiers Reifewerk gehört. Wie so oft bei dieser Künstlerin ist hier ein Wesen aus der Märchen- und Sagenwelt dargestellt: Ein Pferd mit sechs Köpfen und einer wild wehenden Mähne scheint in gestrecktem Galopp vorwärts zu stürmen. Ob man dieses Ungeheuer mit einer mythologischen Figur, etwa der neunköpfigen Hydra oder der sechsköpfigen Skylla, assoziieren darf oder ob damit gar die menschenfressenden Pferde des Diomedes gemeint sind, bleibt völlig offen. Sicher ist nur, dass dieses bedrohliche Wesen nichts mit der konventionellen Vorstellung vom Pferd als dem treuen und klugen Diener des Menschen zu tun hat.

Bevor sich die Künstlerin 1956 an die Ausführung der Plastik machte, fertigte sie einen viel kleineren Bozzetto in Gips an, der später ebenfalls in Bronze gegossen wurde.