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© VBK, Wien 2011
Eingehender als mit Vögeln und anderen Tieren beschäftigte sich der Bildhauer Brancusi mit der menschlichen Gestalt. So schuf er im Laufe der zwanziger Jahre eine Reihe ungewöhnlicher Köpfe, die alle radikal auf eine ovale Grundform reduziert sind (Abb).
In diesen Zusammenhang gehört letztlich auch die vorliegende Bronzeplastik La négresse blonde. Ihre Grundform ist ein in die Länge gezogenes Ei, das drei markante Auswüchse aufweist: wulstige Lippen vorn, eine sternförmige Haartolle hinten und einen ovalen Haarknoten oben. Trotz aller Stilisierung machen diese drei Merkmale deutlich, dass es sich bei der Dargestellten um eine Schwarze handeln muss, sehr wahrscheinlich um die bekannte Revuetänzerin Josenne Baker, die damals in Paris wahre Triumphe feierte. Bestätigt wird dies durch den merkwürdigen Titel La négresse blonde, der schon in den zwanziger Jahren die Öffentlichkeit so sehr irritierte, dass sich Brancusi 1926 bemüssigt fühlte, in einem Interview zu dieser Frage Stellung zu nehmen, allerdings ohne sich dabei klar auszusprechen.
Wie so oft bei Brancusi gibt es von diesem Werk Ausführungen in unterschiedlichen Materialien. Als erstes soll er 1923 eine Marmorfassung geschaffen haben, die noch den Titel La négresse blanche trug. Nach diesem Stein liess er 1926 drei Bronzegüsse herstellen, die wie üblich auf Hochglanz poliert sind. Eine weitere Version in Marmor entstand 1928, und auch von diesem Stein wurden fünf Jahre später zwei Bronzen sowie mehrere Gipsabgüsse angefertigt. Der vorliegende Bronzeguss, der auf einem kleinen zylindrischen Marmorsockel steht, wurde dagegen erst 29 Jahre nach dem Tod des Künstlers geschaffen. Als Vorlage diente einer der 1933 entstandenen Gipsabgüsse, der mit Brancusis Nachlass ins Centre Pompidou in Paris gelangt ist.


