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Alberto Giacometti © Fondation Giacometti, Paris/VBK, Wien 2011
Alberto Giacometti wuchs in einer äußerst künstlerischen Atmosphäre auf. Sein Vater Giovanni, ein begabter post-impressionistischer Maler, war über die Schweizer Landesgrenzen bekannt. Früh wurde Alberto von ihm gefördert und durfte in seinem Atelier zeichnen und modellieren. Im Unterschied aber zu seinem Vater wählte Alberto erst einmal die Bildhauerei zu seinem Metier. In Paris studierte er mehrere Jahre an der Grande-Chaumiere, dem Atelier Emile Bourdelles. Doch dessen pathetische Plastik in der Nachfolge Auguste Rodins konnte den jungen Alberto nicht zufrieden stellen, kein Wunder also, wenn er sich Mitte der zwanziger Jahre an Bildhauer kubistischer Provenienz anschloss, namentlich an Lipschitz und Laurens. Bald verband er sich mit den Surrealisten, zu deren bedeutendste Plastiker er sehr bald avancierte. In abstrakten Formen behandelte er immer wieder die Bereiche von Eros und Thanatos, wie in drastischer Kombination an der Bronze L’Homme et femme von 1928 zu sehen.
Im Dezember 1934 kam es zum Bruch mit den Surrealisten: Breton verzieh Giacometti nicht, dass er zur Realität zurückkehren und wieder nach der Natur arbeiten wollte. Dieser Versuch, der eigentlich nur wenige Tage dauern sollte, wurde zu einer Lebensaufgabe. Von nun entstanden die charakteristischen Figuren, für die Giacometti weltberühmt wurde. Bereits vor dem Krieg gerieten ihm die nach Modell gearbeiteten Plastiken bisweilen nur so groß wie Streichhölzer. Erklären lässt sich dies aus der phänomenologischen Beobachtungsweise Giacomettis. Kurz nach dem Krieg erzählte er, wie er dazu kam: "Bis zum Krieg glaubte ich, dass ich die Leute in natürlicher Größe in der gegebenen Distanz sah. Dann merkte ich, dass ich sie viel kleiner sah — auch wenn sie nah waren. Die ersten Male, als mir das bewusst gemacht wurde, war ich auf der Straße. Es verblüffte mich, aber ich gewöhnte mich daran. [...]. Jedesmal musste ich mich wieder an den Raum gewöhnen, die Distanzen wieder abmessen, die zwischen mir und den Dingen lagen...". So nah man seinen Figuren auch kommt, sie bleiben immer fern. Aufgrund dieser unaufhebbaren Distanz berührte sich Giacomettis Kunst mit der Philosophie des Existentialismus. Auch Nu debout läßt die menschliche Existenz als Geworfensein, als "Einsamkeit und Verlorensein im unendlichen Raum" spürbar werden.


