Die Genesis meiner Sammlertätigkeit geht auf das Jahr 1959 zurück. Das erste Bild, das ich erwarb, war "Weisses Pferd" von Toulouse-Lautrec von der Galerie Kornfeld in Bern. Viele Jahre später erkundigte Kornfeld sich bei mir, ob dieses Bild noch in meinem Besitz wäre, weil er an einem Kauf interessiert wäre. Ein Ansinnen, das ich selbstverständlich ablehnte.

Einige Jahre später war ich von einem Klienten in Paris zu einem Déjeuner geladen. Nach diesem ausgezeichneten Essen mit hervorragenden Weindegustationen begab ich mich zu Fuss in mein Hotel zurück. Dabei überquerte ich die Faubourg Saint-Honoré und in einer Vitrine fiel mir eine Diego-Büste von Alberto Giacometti auf. Ich verhandelte mit dem Galeriebesitzer über eine halbe Stunde den Preis, da sich meine Preisvorstellung von derjenigen Alex Maguy's um ein Drittel unterschied. Ich blieb jedoch hartnäckig bei meiner Preisvorstellung und verliess schliesslich die Galerie, worauf Alex Maguy mir nachkam und sich mit dem von mir offerierten Preis einverstanden erklärte. Ich hätte ihn mit meiner Beharrlichkeit, aber auch mit meinem Kunstsinn überzeugt. Ich bin stolz, dass ich noch heute diese Diego-Büste von Alberto Giacometti besitze.

Ebenso ist mir die Bekanntschaft mit dem Galeristen Dr. h.c. Ernst Beyeler, Basel, von grösster Wichtigkeit, verdanke ich vor allem ihm den Erwerb meiner wertvollsten Gemälde, wie z.B. von Matisse, Cezanne, Modigliani, Claude Monet, von Picassos und vieler anderer. Beyeler war es, der mir die eigentliche Freude an der Kunst und vor allem die Vertiefung meines künstlerischen Verständnisses vermittelte.

Die Bekanntschaft bzw. freundschaftliche Verbundenheit mit Frau Krystyna Gmurzynska hat mich in die Literatur und in die Kunst der russischen Avantgarde eingeführt. Ihr verdanke ich den Ankauf wertvoller Gemälde russischer Künstler aus der Zeit von 1910 bis 1930. Ich verbinde damit auch die Ausdruckskraft dieser Künstler vor der Revolution 1917 und nach der russischen Revolution.

Es gäbe noch vieles zu berichten, wo und wie ich bei einzelnen Auktionen, bei Christie's und bei Sotheby's Werke ersteigert habe. Ich möchte jedoch festhalten, dass ich nie nach dem Künstler und seiner Autorität eingekauft habe, sondern mein Wegbegleiter war immer mein eigenes Auge. Ich habe mich nur für solche Werke interessiert, die nach eingehender Betrachtung meinen Gefallen gefunden haben. Es ist sogar vorgekommen, dass ich ein Werk gekauft habe, ohne den Künstler näher zu kennen und erst nach dem Erwerb habe ich mich mit dem Künstler befasst.

Ich bin auch davon überzeugt, dass jeder Künstler, mit dem man sich befasst, eine Art "geistige Nahrung" bietet. Diese Nahrung ist es auch, die sich als Ausgleich zum einseitig-fortschrittlichen Denken in allen Bereichen des Lebens positiv auswirkt und vor allem die Lebensqualität steigert. Für mich kann ich festhalten, dass sie nicht nur die Leistungskraft sondern auch den Leistungswillen fördert. Ich lebe mit diesen Bildern, ich spreche mit ihnen, sei es zu Hause, sei es in meinem Büro. Sie vermitteln aber auch Freude, denn sie in meiner unmittelbaren Umgebung zu haben, erfüllt mich mit Dankbarkeit. Ich bin davon überzeugt, dass eine der wesentlichen Aufgaben eines Lebens darin besteht, ein Gleichgewicht zwischen materiellen und geistigen Werten anzustreben.

Die Exponate sprechen für sich. Das "Auge des Sammlers" lässt sich selbst und Sie alle an der Fülle und den Schönheiten des Lebens teilnehmen.

Prof. Dr.Dr. Herbert Batliner